Januarkräuterliebe

Diese Liebe, mit der man ein Kräutlein oder ein paar verbliebene Blätter an Pflanzen streicheln kann!
Diese Andacht, die man dabei fühlt!
Die Freude, noch ein Kraut, das lebt, gefunden zu haben.
Die Ehrfurcht beim Konsumieren.
Die Liebe, die einen durchflutet.
Das sind die kleinen Gartenfreuden im Januar.
Und die Sehnsucht wächst.

Heute gefunden: Melisse, Thymian, Rosmarin, ein paar letzte Borretschblättchen und Petersilchen, Pfefferminzchen und Melissenblättchen und auf der Wiese Gänseblümchen, Löwenzahn, Vogelmiere und Franzosenkraut und ganz viel Pimpernelle. (Was bereitet man mit Pimpernelle zu? Und gibt es ein Gedicht, das dieses lebensfrohe Kraut besingt?)

Egoistisch?

„Wenn du jemanden ohne Lächeln siehst, gib ihm deines.“
(Teebeutelweisheit von heute)

Ich habe mein Lächeln jener Frau geschenkt, die mir vorhin aus dem Spiegel entgegen geblickt hat. Sie konnte es brauchen und trägt es nun mit sich durch diesen Tag …

Alte Worte

In alten Büchern und Heften und Artikeln gelesen. Querbeet gelesen. Bruchstückhaft teils, dann wieder über längere Passagen hinweg. Festgelesen. Gewundert. Gegraut. Gestöhnt. Geschämt. Geschaudert. Gestaunt. Gefreut. Gewundert wieder. Sehr sogar.
Worte- und Sätze-Recycling.
Vergessenes. Verdrängtes.
Staunen pur
Habe ich das alles (und wann?) verbrochen geschrieben?
Alles alte Worte … und so viel neue Gedanken und Ansätze dabei.

Das Drängeln im Kopf

Diese unstillbare Sehnsucht, etwas (für mich) Großartiges zu erschaffen/schreiben. Immer und immer wieder nagt sie an mir und ich weiß genau: Ich müsste mich nur vor eine leere Datei setzen, die Finger auf die Tasten legen und schreiben. Ich weiß, es würde dann aus mir schreiben. Wort für Wort für Wort zu Geschichten, Texten, Naturbeschreibungen und, ja, vielleicht auch zu etwas Großartigem. Wort für Wort für Wort.
Doch warum fühlen sich meine Finger so wortlos? Warum locken sie nicht, warum schreien sie nicht danach, auf eine Tastatur gelegt zu werden, um all die ungesagten, die geträumten, erhofften, gewünschten, ersehnten Worte niederzuschreiben? Warum schreien sie nicht nach einer Tastatur und nach einem leeren Blatt?
Ist es, weil der Kopf es nicht zulassen will? Dieser sture, störrische Kopf, der wie bei einer Müllhalde die Worte auf vielen unaufgeräumten Wortmüllhalden stapelt und nicht bereit ist zum Entrümpeln und Aufräumen und … Freigeben?
Ist es das?
Wird wohl so sein.
Und was tue ich nun?
Vor Sehnsucht ersticken mit all dem ungefilterten Wortmüll im Kopf?

Etwas Neues möchte ich schaffen. Etwas … Neues …
Und bitte, nicht vergessen, lieber Kopf, der du so sehr grübelst und mit allen inneren Schweinehunden zusammen klüngelst: Wir könnten es uns leisten, etwas Neues zu schaffen. Denn das Alte ist nicht mehr neu genug.
Was zögerst du noch, du Zweifelbirne?

Freudenfünkchen

Ich atme ein und aus. Ganz ruhig ein und aus und ein und aus und … Und es funktioniert. Trotz alledem oder gerade erst recht.
Ein und aus und ein und aus …
So war es im Zurück und so wird es auch im Voraus, im Kommenden, funktionieren.
Atmen. Ruhig. Ein und aus.
Und ab und zu schummelt sich ein Freudenfünkchen unsichtbar in die Luft und man atmet es mit ein. Wobei: Zum Freudenfünkchen wird es erst, wenn man es als solches zu erkennen vermag. Andernfalls verkümmert es.

Freudenfünkchen. Ich möchte sie erkennen und schätzen und lieben lernen.
Es können so viele sein jeden Tag.
Und nein, dies soll kein Vorsatz fürs neue Jahr sein. Eher ein Umdenken, ein Routenplan für die Zukunft, Umleitungen und Sackgassen inklusive.

Ich atme ein und aus. Ganz ruhig ein und aus und ein und aus und … … und werde es zu lernen versuchen, achtsamer mit meinen Freudenfünkchen umzugehen.

„Freue dich deines Atems“
Teebeutelspruch

Lassen wir sie einfach einmal so im Raume stehen!