Kein Zuhause für das Leben

Wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich noch mehr Steine und Sand und Beton. Das kleine Nebengartenökotop musste an den letzten beiden Wochenenden einem Autostellplatz Platz machen. Weg mit den Schneeglöckchen, dem Scharbockskraut und den vielen vielen Löwenzahnblümchen, die hier unter Fliederzweigen eine feine Nahrungsquelle für Krabbler und kleine Flugtiere bot. Weg und kahl. Rote Klinkerplatten ersetzen eine kleine grüne Welt mit bunten Blütentupfern. Für ein Auto! Es ist wichtiger als ein Lebensraum und Nahrung für Käfer, Wildbienen, Schmetterlinge. Auto, die heilige Kuh. Nur: Man kann es nicht essen. Vielleicht denken wir in 20 oder 30 oder 40 Jahren daran mit einem „Hätten wir damals doch umsichtiger gehandelt. Hätten wir doch einfach mal vorausgedacht!“
Hätten. Konjunktiv.
Der Nachbar hat vier Autos und ein Geschäfts-Van und eine Handvoll Motorräder. Klar sind die wichtigere als ein bisschen Gras mit Unkräutern drin. Ganz klare Sache. Gell?

Kein Zuhause für das Leben

Das Gras ist weg!
Es hat gestört.
Es brachte nicht viel ein.
Wozu muss bloß
ein Gärtchen hier
an diesem Ort auch sein?

Der Platz ist kahl!
Es blüht nichts mehr.
Zwei Autos ziehn hier ein.
Kein Schmetterling,
kein Bienchen mehr
wird hier zuhause sein.

Das Leben stockt.
Still ist’s hier nun.
Es gibt nichts mehr zu sehn.
Aus Blütenduft
wird Ölgestank,
weil Autos hier nun stehn.

© E. E. M.

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