Duett …

„Hilfe! Ein Überfall!“
Die Tasten des Konzertflügels zucken zusammen, als sich ihnen zwei Hände nähern. Eine linke, leicht behaarte Hand mit energisch drängelnden Fingern und eine rechte, weiche, mit einem Brillantring geschmückte Hand, ebenfalls mit, nein, mit noch energischer drängelnden, kräftigen Fingern.
„Drei – zwei – eins – zero!“, erklingt eine Stimme aus dem Off. „Das Due-(tt)ll beginnt. Guten Abend, meine Damen und Herren! Sie hören …“
„Oh je“, wispern die Tasten des Musikinstruments. „Ich mag gar nicht hören, was wir nun zu hören bekommen. Wenn wir uns nur wehren könnten.“
Sie seufzen und ergeben sich in ihr Schicksal. Geduckt warten sie auf die ersten (An)Schläge.
Die linke Hand drängelt sich vor und vereint mit einem rauen Schlag drei Tasten zu einem Akkord. Kling-ping-boing. Er klingt schräg, der Klang.
Die rechte Hand prescht hinterher, schlägt zu. Ein dröhnender Vierer-Akkord. Hart und … irgendwie daneben gegriffen. Klong-pong-bäng.
Die linke Hand wehrt sich gegen den Eindringling von rechts und nudelt eine nicht enden wollende aufwärts steigende Tonleiter die Reihe der Tasten entlang. Sie endet mit einem triumphierenden T(h)riller in Bach’scher Manier.
Unverschämtheit! Die rechte Hand tritt dem Eindringling entgegen. Sie wehrt sich und dudelt die Tonleiterreihe in lautem Tschaikowksy-Stakkato wieder abwärts, um in einem dröhnenden Ta-ta-taaaaa auf dem tiefen C zu enden.
Jetzt erst beginnt das Duett-ll so richtig und in den nächsten Minuten, die den Klaviertasten wie unendlich lange Stunden anmuten, hämmern sich die beiden Duettanten, pardon, Duellanten durch ihren Vortrag. Lange währt die Qual. Die Klaviertasten geben mit verzerrten Gesichtern ihren Schmerz den Saiten im Klangkörper weiter. Die reagieren ob der rüden, unwirklich anmutenden Behandlung … verstimmt. Um das Gedröhne zu ertragen, verziehen und dehnen und (ver)schwingen und verbiegen sie sich und die Töne, die wiederzugeben ihr Job ist, klingen … falsch. Sie meinen es nicht böse, die Saiten, doch sie können sich nicht wehren.
Die Zuhörer meinen es auch nicht böse. Sie verziehen verstohlen die Gesichter … doch auch sie können sich … nicht … wehren.
Oder doch?


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