Ein kurzer Moment

Der Himmel ist grau seit Tagen schon. Heute Morgen im Wald war er für ein paar Augenblicke gelb, bevor er wieder dem Winterdunkel nachgab. Eigenartig war dieser Moment. Eigenartig schön.
Die Luft schimmerte gelbbraun. Eine nichtwirkliche Farbe. Eine nichtwirkliche Atmosphäre.
Das Gehen ähnelte auf einmal einem Schweben. Surreal irgendwie. Nicht wirklich. Ich ertappte mich dabei, dass ich unterwegs zu singen begonnen hatte. Leise, zögernd noch. Und ich redete auch wieder und zwar nicht mehr mit dem Hund, der nicht mehr da war.
Das Gehen fühlte sich leichter an, die Schritte federten über den Waldboden, und ich spürte, wie die Anspannung der letzten Monate abnahm.
Es fühlte sich gut an. So gut!
Ich glaube, ich liebe ihn wieder, „meinen“ Wald.

Jetzt, ja, jetzt könnte man eigentlich damit beginnen, von einem neuen Hund zu träumen. Bald sind es zwei Jahre, dass ich ohne lebe existiere. So lang hat das Trauern noch nie gedauert.

 

 

8 Kommentare zu „Ein kurzer Moment

  1. Liebe Ella,
    schön, wieder von dir zu lesen. Ich habe deine zurückgekehrte Stimme ein wenig vermisst – und das ist eine Beobachtung an mir, keinesfalls eine Art, dich unter Druck zu setzen.
    Diese Atmosphäre, die du beschreibst, kann ich mir so nicht vorstellen – vielleicht aber kommt es meinem Gefühl nahe, wenn ich dastehe, vom Balkon schaue (zum Beispiel den gestrigen Morgenhimmel) und für einen Moment das Gefühl habe, alles ist genau da, wo es hingehört.
    Einen entspannten Abend wünsch ich dir
    Judith

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    1. Er war schwer zu beschreiben, dieser helle Moment an einem so dunklen Tag. Es war wie bei einem frühen Morgenrot und alles verfärbte sich wie durch Zauberhand, und ja, es kommt der Beschreibung deines Gefühls auf dem Balkon nahe. Ein Aufblinken absoluten Glücks und Zufriedenheit und Liebe ohne andere, störende, relativierende Gedanken. Verstehst du, was ich meine?

      Ja, hier regelmäßig bloggen. Ich möchte es so sehr, doch noch fordern mich die Tage sehr mit krankem Mann, Haus(halt) und Berufsschreiberei, dass ich oft im Blog vor dem leeren Blatt sitze, den Kopf einziehe und wieder gehe. Ich hoffe, dass sich das wieder bessert. Der Januar fordert mich beruflich nochmal sehr, dann hoffe ich, wieder mehr Luft zu haben.
      (Wird Zeit, dass ich unbedingt meinen Header ändere und das Sabbatjahr streiche. Hach ja…)

      Alles Liebe zu dir und einen schönen Abend für dich
      Ella

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      1. Liebe Ella,
        ja, ich verstehe was du meinst.
        Darf ich fragen, was für eine Berufsschreiberei du machst?
        Und seit wann ist dein Sabbatjahr zu Ende?
        Ich hoffe, es kommen bald die Tage, an denen es so läuft wie du hoffst.
        Herzliche Grüße
        Judith

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      2. Ich wusste, dass du verstehst, was eigentlich seltsam ist, da wir uns so wenig kennen. Aber bei dir weiß ich es, irgendwie, und das verstehe wiederum ich selbst nicht so recht. Du?
        Ja, mein Sabbatjahr endete jäh mit dem Schlaganfall meines Mannes aus privaten, aber auch aus pekuniären Gründen. Zwei Freiberufler, die nicht arbeiten, nein, das geht nicht. So ist aus dem geplanten Nichtstun eine Doppelbelastung geworden, die manchmal an die Substanz geht.
        Was ich schreibe? Geschichten, lange, kurze, aller Art – für Verlage, für Auftraggeber, für Presse, für Blogs, für mich. (Im gedachten Sabbatjahr wollte ich mal nur für mich schreiben, ohne mich verbiegen zu müssen, und irgendwann hole ich das auch gewiss noch nach)

        Einen schönen guten Morgen wünsche ich dir
        Ella

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    1. Und es will nie aufhören, dieses Denken und Traurigsein, nicht wahr?
      Ich habe immer mit Hunden gelebt, doch nach Jolies Tod schafften wir es nicht, an einen neuen Hund auch nur zu denken. Sie war eine ganz besondere, tolle, treue, kluge, große, bärige Freundin, nein, Liebe … und sie wird es immer sein.
      Nur: Ohne Hund ist das Leben leer, besonders auch unterwegs im Wald. Ach ja ….

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      1. Ja, es hört nie auf das Denken an ihn. Aber die Traurigkeit ändert sich und wird zur Dankbarkeit. Zum Leben gehört auch der Tod und das Loslassen. Ohne Hund draußen in der Natur laufen ging für mich gar nicht. Alle Wege waren leer ohne Seele. Wir hatten schon 7 Wochen später wieder einen Hund. Am Anfang war das sehr schwer für mich und ich brauchte eine Weile mich auf ihn einzulassen, da ich sehr in der Trauer fest hing. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass wir nicht lange gewartet haben. Ähnliches Aussehen aber komplett anders. Einerseits. Andererseits hat er viele Eigenschaften, die der alte hatte. Gleiche Plätze, Angewohnheiten, so dass ich an Seelenwanderung glaube. In ihm ist auch mein alter Hund, also ist er immer bei mir.
        Das Leben ist bunter mit Hund. und es gibt so viele, die einen guten Platz suchen.

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      2. Oh ja, erst mit Hund ist das Leben bunt.
        In all den Jahren haben wir es gehandhabt wie du es auch tust: schnell einen neuen Hund lieben lernen.
        Nur, es geht einfach nicht und ich weiß nicht, was es ist: ich sitze vor Websiten mit Hundewelpen und schlage sie wieder zu, ich stehe vorm Tierheim – und gehe wieder. Heulend. Im April werden es zwei Jahre.
        Ich glaube, ein neues Tier schafft es momentan nur hier einzuziehen, wenn jemand vor der Tür stünde und es mir in die Hand drückte.
        Nun ja, ich nehme diese Phase so an, wie sie ist und träume von einer besseren Zeit – mit Hund wieder.

        Danke für deinen schönen Kommentar. Er hat mich heute Nacht viel nachdenken lassen 🙂

        Liebe Grüße
        Ella

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