Frühstück im Wald

Es regnet Bindfäden. Trotzdem eise ich mich – und vor allem den inneren Schweinehund – vom Frühstückstisch los, streife die alte, verwaschene Schimanskijacke des Mannes über meine Nachtklamotten und stakse durch die kleine Birkenallee bergaufwärts zu meinem Sommerfrühstücksplatz dort wo die Wiesen enden und der Wald anfängt. Clogs sind übrigens keine gute Idee für einen regennassen Herbstmorgen im Wald. Überhaupt ist es keine gute Idee, Sommertraditionen auch in der ungastlichen Jahreszeit beibehalten zu wollen. Nur mal so gesagt, ich lerne ja noch.
Und da stehe ich nun wie an vielen Sommertagen zuvor an den Stamm der alten Birke gelehnt, den Kaffeebecher in der Hand (Auch eine Schnapsidee, der Kaffee ist kalt und schmeckt nach Regenwasser), und blicke aufs Dorf hinab.
Wie ausgestorben liegt es da, kein Leben regt sich und wüsste ich es nicht besser, könnte ich es für eine ausgestorbene, aufgelassene Waldsiedlung halten. Doch sie ist voller Leben, sogar mehr als sonst. Die Kinder haben Ferien und das Leben ist schön! Und alle ducken sich vor dem Virus wieder ein bisschen mehr als die Monate zuvor. Er macht das Leben auch hier im Walddorf still, verzagt, ratlos. Zu still.
Doch, halt, von der anderen Seite des Talgrunds her ertönt das röhrende Stöhnen einer Kuh. „Das machen sie nur, wenn sie gebären“, hat mir der Bauer einmal erklärt, und ich stelle mir vor, wie ein niedliches Kälbchen das Licht der Welt erblickt und sogleich von der Mutter entrissen wird, weil das so wirtschaftlicher ist. Ich seufze und vergieße ein paar Tränen. Da ist nichts von Landromantik, wie es uns Heimatfilme und Hochglanzhefte übers Landleben weismachen. Es ist halt nichts mehr so, wie man es sich vorstellen möchte. In diesen Tagen schon gar nicht.
Die Romantik des Regenmorgens ist nun endgültig dahin und ich beeile mich, ins Warme zu kommen, bevor ich mich erkälte. Das muss in diesen Zeiten ja nun wirklich nicht sein. Auf weitere Waldfrühstücksausflüge werde ich wohl besser verzichten … bis zum Frühling (Noch 163 Tage!)

Nachtrag:
Ich rätsele übrigens gerade über eine grammatikalische Frage nach zu dem obigen Satzbeginn:
„Und da stehe ich nun wie an vielen Sommertagen zuvor …“ Eigentlich wollte ich schreiben: „Und da stehe ich nun wie an vielen Sommermorgen zuvor …“, doch das klingt seltsam. Aber man kann doch nicht „Sommermorgenden“ schreiben!? Darf der Morgen kein Plural haben?
Ja, ich ahne die Antwort. Aber komisch klingt es schon, oder? Oder ist mir mein kleiner Ausflug gerade nicht bekommen?

6 Kommentare zu „Frühstück im Wald

  1. Schön deine ramblings, als Sommermorgen ist doch das gleiche wie bei Morgen und Morgen, also Singular gleich plural. Warum der Morgen damit abgespeist wird, wo doch der Tag die volle Version bekommen hat, weiß ich aber auch nicht. Vielleicht ist ja der Morgen französisch und der Tag deutsch oder so….

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