Rotkehlchen

Draußen singt ein Rotkehlchen. Es singt so laut und niedlich, dass ich es durch die geschlossenen Fenster hören kann. Morgengesang im Spätherbst zu so früher Stunde? Wie schön!
Ich öffne die Küchengartentür und gehe mit dem Kaffeebecher in der Hand hinaus, dem Gesang entgegen. Mein Herz schlägt schneller. Vor Freude, aus reiner Freude nur.
„Hallo!“, flüstere ich ins Dunkel. „Guten Morgen, kleiner Sänger. Ich freue mich, dass du da bist.“
„Ich freue mich auch!“, hallt es zu mir zurück. „Es wird ein guter Tag werden, hörst du? Nicht traurig sein!“
„Nein“, rufe ich. „Ich bin nicht traurig. Du bist ja nun da. Singe noch ein bisschen für mich, kleiner Vogel!“
Und das tut er. Ich schließe die Augen und träume … vom Frühling, von milder Luft und Blütenduft, wenn die Hausspatzen ringsum wieder den Gesang des Rotkehlchens mit wüstem Gestreite ummalen werden.
Es ist halb sieben und dunkel und arschkalt. Na und?

6 Kommentare zu „Rotkehlchen

    1. Herzerwärmend. Das ist das richtige Wort. Der Morgen war nicht mehr dunkel und mein Herz pochte angenehm angeregt. Wie gut uns die Natur tut! Wie gut.
      Danke für deinen lieben Kommentar. 💛

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  1. Ein klein wenig darf man in Träumen verharren, aber das Rotkehlchen wollte dir sicher auch
    die Schönheit des Herbstes liedhaft näher bringen. Sonnenschein und Buntheit ringsum,
    auch im Garten. Na ja, wir haben einen riesen großen Garten – also eine Augenweide auch jetzt.
    Die Meisen kommen schon zum Futterplatz, die Spatzen sowieso. Die Eichhörnchen stehlen die Maronen und die Hornissen schlafen zur Zeit gleich neben den Äpfeln am Baum.
    Eben auch Dinge, die neu sind, die staunen lassen und Freude bringen.
    Aber träumen ist gut…
    Danke für deinen traumhaften Text.
    Abendliche Grüße zu dir, herzlichst, Edith

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    1. Was wären wir ohne Träume … und ohne die Natur? Beides vereint ist das beste Geschenk, das wir uns machen können. Raus in die Natur, in Wald, Feld, Garten – und träumen. Während ich dies schreibe, dämmert mir, weshalb es mir vorm Herbst immer graut: Er ist der Bote jener Zeit, in der man erst mal gefühlt 1000 Jacken, Mützen, Stiefel anziehen muss, um in die Natur zu gehen, und auch draußen nicht verharren und träumen kann, ohne festzufrieren. Man ist nicht mehr eins mit der Natur, da ist soviel wärmender Stoff dazwischen. Ihr habt Maronenbäume? Wie schön! Hier ist es leider zu kalt, aber in den Gärten meiner Kindheit gab es sie auch und ich habe sie geliebt. Liebe sie. Maronen und Mandeln und Feigen. Hach! Siehst du, nun träume ich doch.
      Einen schönen Abend für euch und lieber Gruß, E.

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      1. Na siehst du, geht doch, das Träumen im Herbst, lächel… Aber,du Liebe, man ist eins mit der Natur, denke ich. So durchs raschelnde Laub zu laufen, vor sich hin zu denken, dem Wind zuzuhören, dann, wenn Schnee leis fällt, ach, egal wie viele Jacken, man ist doch nah dran. Ich werfe mich gern dann in den Schnee und mache Engel, laaach….
        Wir haben einen Maronenbaum, weiter weg steht dann noch einer, und das ist gut, sonst würde ein Einzelner nicht Früchte tragen.
        Dir im warmen Zimmer eine träumerische Zeit, gewünscht von mir.

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