Mein Herz blutet

Der Weihnachtsbaumexpress rollt wieder durchs Dorf.
Weihnachtsbäume, prächtige, große, sehr große, und dann wieder viele kleine werden auf Tiefladern aus dem Wald gekarrt. Bäume für Markt- und Kirchplätze, für Tineff, Weihnachtstände und Wohnzimmerecken.
Eine Ladung nach der anderen. Den ganzen November durch.
Ein langes Leben beendet für ein paar kurze Fest- und Feiermomente im Lichterglanz. Ein vergeudetes Baumleben.
Ich schlucke jedes Jahr aufs Neue, wenn ich sie sehe. Um jeden Baum tut es mir in der Seele weh. Umso mehr in dem Wissen, dass wir jeden Baum, der lebt und atmet, brauchen für unsere Umwelt, unser Leben.
Ist es das wert, liebe Weihnachtsindustrie? Ist das heutzutage noch richtig? Habt ihr mal darüber nachgedacht? Brauchen wir Bäume, um unsere Zimmer festlich zu schmücken, um sie später mit Karacho mit rieselnden Nadeln aus dem Fenster zu werfen, den „Knut“ mit ihnen zu spielen?
Was für ein trauriges Tannendasein! Oh Tannenbaum, wie schnöd‘ musst du doch sterben.
Und wieder einer, ein doppelter Tieflader sogar, mit hohen, sehr hohen Fichten dieses Mal.
Mein Herz blutet.

6 Kommentare zu „Mein Herz blutet

  1. *Der Ursprung des Weihnachtsbaumes liegt in heidnischen Bräuchen. Schon vor vielen Jahrhunderten waren immergrüne Pflanzen in heidnischen Kulturen ein Symbol für Fruchtbarkeit und Lebenskraft. … Den ersten Weihnachtsbaum mit Kerzen schmückte die Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien im Jahr 1611.*

    Komisch, solche Bräuche halten sich, die doch total wider uns sind.
    Wir haben auch jedes Jahr einen Weihnachtsbaum – einen getopften, der nach dem Fest
    mit einem kleinen Umtrunk auf unser Grundstück gepflanzt wird. In den letzten dreißig Jahren ist uns nur ein Bäumchen davon eingegangen. Dafür haben wir drei neue gepflanzt.
    Der Orkansturm hat bei uns sehr gewütet. Ich schrieb schon davon. Doch auch diese umgestürzten Bäume erfreuen sich längst am neu gepflanzten Baumbestand.
    Es wäre industriemäßig doch auch ein Leichtes, jeden gefällten Baum zu ersetzen! Dass er Wachstumszeit braucht, ist klar, aber es wäre eine Alternative….
    Danke für deinen Aufrüttelkommentar, ich hoffe, ganz viele Menschen lesen ihn.
    Tannenbaumgedanken von mir zu dir…

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    1. Genau so machten wir es auch. Baum im Topf und dann ab in den Garten. Sie überlebten alle, nur der vom letzten Jahr wollte nicht bleiben. Ich hatte es auch nicht erwartet. Im Gegenteil.

      Weißt du, es ist ja in Ordnung mit den Weihnachtsbäumen, den kleinen fürs Zimmerchen. Sie gehören in unser Leben, weil sie zu den Geschichten um Weihnachten gehören. Tannenduft muss sein und das Freuen darauf auch. Dafür gibt es ja auch die vielen Tannenbaumplantagen. Das ist okay.
      Was mich zum Weinen bringt, ist, wenn sie die großen, prächtigen, viele Jahrzehnte alten Bäume fällen für Marktplätze, Weihnachtsmärkte. Es sind so viele jedes Jahr, die sie hier in den Wäldern ringsum fällen. Neulich war einer so groß, dass sie fast eine Stunde brauchten, um die Kurve vom Waldweg in die Dorfstraße zu meistern. Das war dramatisch – auch für meine Bäume und Büsche an der Gartengrenze. Was für ein Prachtkerl von Baum! Warum, frage ich dich, warum pflanzen sie in ihren Städten auf Plätzen und vor Kirchen nicht ihre Tannen an. Eine Winwin-Situation für alle, nicht zuletzt für das Kleinklima dort. Aber was weiß ich schon? 🌲🎄

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  2. Mein Baum
    Du warst stets meine Flucht, ich habe dich so oft besucht
    du standest ganz allein auf weiter Flur, schöpftest die Kraft aus dem Vertrauen nur
    wie oft hab ich an deinem Stamm geruht, wie oft geholt von dir mir neuen Mut
    du hattest kleine, große Narben – so wie ich
    du rauschtest mir stets zu: willkommen – bist du wieder da, ich beschütze dich!
    Ich wusste ganz bestimmt dein Leben wird viel länger sein als meins,
    da hab ich falsch gedacht.
    Heut sah ich dich in Scheiben liegen und frag laut schreiend:
    Wen hast du gestört???
    War ich die Einzige die dir hat immer zugehört?
    Selbst jetzt, in deinem Tod erzählst du mir von deinen Jahren.
    In deinen Jahresringen kann ich lesen von deinem Kampf und auch von deinem Glück.
    Still habe ich mich auf deinen Stumpf gesetzt, mit deinem Tod hat man selbst mich verletzt
    Du warst ein Auserwählter, hast einen Geist besessen.
    Mein Baum, nie werde ich dich je vergessen!

    Dieses Gedicht schrieb ich einmal, als ich vor solchen Trümmern stand. Und dieser Baum war NIEMANDEM im Weg! Ich bin der Sache nachgegangen, er stand auf quasi Niemandsland und nie kam raus, wer ihm das angetan!…….

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