Tuch übern Kopf

Tuch übern Kopf und nichts sehen und nichts hören. Und besser auch nichts schreiben? Das lassen die ungeduldigen Finger, auf denen die Worte gelangweilt lümmeln und warten, nicht zu. Sie wollen endlich auf Reisen geschickt werden und es ist, als riefen sie „Mach! Mach! Mach endlich los! Genug gefaulenzt!“
Hach ja! Ich seufze. Sie haben ja recht, aber wir stecken zwischen den Jahren und das ist gleichbedeutend mit ‚zwischen den Zeiten‘. Aber lümmeln wir, ähnlich den ungeschriebenen Worten, nicht dieses ganze verdammte Jahr schon irgendwie zwischen den Zeiten herum? Was ist nicht alles geschehen – im Großen wie im Kleinen? Und was ist alles nicht geschehen?
Ich neige dazu, Letzteres höher zu bewerten. Vieles, so vieles ist dieses Jahr nicht passiert und geschieht auch noch immer nicht. Auch meinen Roman habe ich wieder nicht fertig geschrieben, doch das ist noch eines der kleinsten unerfüllten Dinge zum Finale, das, wie mir scheint, nahtloser als sonst das nächste elende Jahr einzuläuten scheint selbst für jene, die sich bemühen, an den Wunderimpfstoff, der alles wieder ins Lot bringen wird (!?), zu glauben.
Oh, ich schwafle, aber besser schlecht geschwafelt als gar nichts gesagt. Es ist aber derzeit auch schwer, überhaupt noch etwas zu sagen, denn wenn uns dieses Jahr eines beschert hat, so sind es die Gräben, die uns und unsere Gedanken, Meinungen, Sorgen, Ängste, Wünsche mehr und mehr voneinander trennen. Was darf ich wo und zu wem und wie noch sagen und was besser nicht?
Ja, ich bleibe dabei: Dieses Jahr bietet zu seinem Ende für einen friedlichen Abschied nur eine Möglichkeit: Tuch übern Kopf und nichts sehen und nichts hören. Und besser auch nichts schreiben, zumindest nicht dann, wenn eine gute Portion Selbstmitleid mit von der Partie ist.

9 Kommentare zu „Tuch übern Kopf

  1. Liebe Ella, den Daumen in der Wunde zu haben, tut selbst nicht weh, aber er öffnet den Mund, vielleicht für einen Schrei, vielleicht einem Seufzen, vielleicht einem JA.
    Ich sage JA zu deinem Geschriebenen. Ich lese kein Selbstmitleid, nur eine Portion Selbstbewusstsein, denn, wer traut sich schon so offen über eigene Gedanken zu schreiben…
    Wieder einmal mein DANKE zu dir
    mit einem bejahenden Kopfnicken von mir…

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  2. Liebe Ella, danke dass du schreibst. Du kannst das sehr gut, ich kann das nicht. bei mir kommen immer meine wahren Gedanken in schriftlicher Form schwarz auf weiss für jedermann und jederfrau ersichtlich an… daher schreibe ich nicht. nur hier. traue ich mich. schönen Jahreswechsel dir.

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    1. Das ist das Problem, liebe Moni. Wir trauen uns nicht (mehr) und das sollten wir alle schnell schnell (2x) ändern. Ehrlich gesagt hätte ich gerne mehr geschrieben, weil bei mir in Kopf und Seele ein Aufruhr herrscht, doch ich wagte es nicht, bemühe mich aber, diese Scheu beiseite zu legen und … zu reden/schreiben.
      Alles Liebe und ein gutes Neues Jahr – jetzt erst recht
      Ella

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    1. Der Kopf ist voll derzeit mit anderem, was sich eigentlich da gar nicht tummeln sollte. Nicht nur bei mir. Es fehlt gerade die Leichtigkeit, die der Kopf – scheint mir – derzeit für eine gefährliche Oberflächlichkeit zu halten scheint.
      Danke für deinen Anstoß.

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