Das stumme Wort

Auf einer Wolke
schwebt leise das Wort,
das niemals gesagte,
für immer nun fort.

Und dieses Wort, es
zieht weit übers Land,
von allen gesehen
und doch nicht erkannt.

Wohin mag es treiben
im Tanz mit dem Wind?
„Halt! Ich will dich schreiben!“,
ruft leise ein Kind.

Es hat es gesehen
im Traume so nah.
Da war das vermisste
Wort ganz plötzlich da.

Es wollt nach ihm greifen.
Das Wort blieb ihm fern.
Doch hielt in den Händen
das Kind einen Stern.

Das Wort, es raunt leise:
„Ich kehre zurück
zu anderen Zeiten,
den Zeiten von Glück.“

Ich bin leider derzeit auch etwas stumm. Es liegt zu viel Arbeit auf meinem Schreibtisch wie immer in dieser Zeit. Auf bald wieder! Habt eine schöne Zeit! 💛

Einmal wieder Kind sein

„Einmal wieder Kind sein! Das wünschte ich mir!“, sagte der Mann, der in den letzten Jahren viel zu sehr erwachsen sein musste. Er stand in der Fußgängerzone vor den Auslagen der Spielzeugwarengeschäfts und beobachtete die Kinder, die mit strahlenden Gesichtern und gierigen Bettelblicken in den Augen von ihren Eltern an diesem verführerischen Schaufenster vorbei gezogen wurden. Diese Freude, die in ihnen loderte, würde er gerne auch noch einmal verspüren. Und diese ungeduldige Neugierde. Was war das schön gewesen, damals, als er ein kleiner, vorwitziger und sehr neugieriger kleiner Junge gewesen war! Aufregend schön.
„Man müsste die Uhr noch einmal zurückdrehen können und wieder Kind sein dürfen“, murmelte er. „Nur für einen Augenblick. Oder zwei oder drei. Das würde schon genügen.“ Und auf einmal gab es nichts, was er sich mehr wünschte.
„Kann man verloren geglaubte Zeiten wieder zum Leben erwecken?“, murmelte er. „Wer nicht mehr träumt, lebt nicht mehr. Irgendein schlauer Mensch hat das einmal gesagt.“
Ein Ruck durchfuhr ihn und irgendetwas in ihm schaltete jene Gedanken aus, die er seine ‚Erwachsenengedanken‘ nannte. Er lachte auf, dann bahnte er sich einen Weg durch die Menschenmenge und steuerte das kleine Schokoladenlädchen am Marktplatz an. Dort kaufte er einen Adventskalender mit dem Bild eines gemütlich dicken Weihnachtsmannes, der vierundzwanzig mit Schokolade gefüllte Türen in seinem Bauch hatte. Dann eilte er nach Hause, schloss sich in sein Arbeitszimmer ein und futterte alle Türchen auf einmal leer … und er fühlte sich dabei wie der kleine, ungeduldige Junge, der er einst gewesen war. Ah! Wie gut das tat! Und wie fein es schmeckte! Es war der erste Adventskalender, den er für sich selbst gekauft, und die leckerste Schokolade, die er je in seinem Leben gegessen hatte.