Seelenmagersucht

„Wer nicht träumt, lebt nicht mehr“, sagt er und erklärt mir, wie wichtig Träume sind. Damit man überhaupt Freude empfinden könne. Vorfreude vor allem, die bekanntlich die schönste Freude sei und an die real erlebte Freude nicht heranzureichen vermöge. Und eben diese freudenmachende Vorfreude erlebe man nur in Träumen, besser gesagt in Tagträumereien. Das müsse ich doch wissen. Jedes Kind wisse das.
Nein, das weiß ich nicht und Tagträume, erkläre ich, verbäte ich mir schon seit vielen Jahren, denn sie führten zu nichts. Im Gegenteil. Sie brachten nur Enttäuschungen und trügen Albträume mit sich im Gepäck.
„Und deine Seele weint“, antwortet er darauf. Dann schweigt er.
Ich schweige auch und meine Seele weint auch wieder. Eigentlich weint sie immer, doch das sage ich nicht. Das muss keiner wissen.
„Ich habe es neulich im Mentaltraining gelernt“, sagt er nach einer langen Schweigepause. „Unsere Seele braucht Träume, um nicht zu verhungern. Sie braucht dieses Gefühl des Freuens, der Vorfreude.“
„Ich weiß“, flüstere ich. „Fast ist sie auch schon verhungert, meine Seele. Aber sie lässt einfach keine Nahrung mehr zu. Allein bei dem Gedanken daran wird ihr schon übel. Es ist wie bei einer Magersucht. Seelenmagersucht.“
„Und du weißt es?“
Ich nicke. „Seit eben, glaube ich.“
Dann schweigen wir wieder und ich träume von einer Zeit, in der das nicht so war … 

4 Kommentare zu „Seelenmagersucht

  1. Da hat ER absolut recht! Träume sind sehr wichtig. Ich liebe Träume und versuche jeden Tag ein wenig Zeit mit träumen und kleinen Fluchten zu verbringen. Manche meiner Träume wurden sogar wahr. Ich sende dir ein paar Träume aus der Ferne ♥

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  2. Tagträumereien – sicher hast du da auch ein wenig an mich gedacht, lächel… Ich wünsche dir aufrichtig wieder diesen echten Seelenhunger, der in alle Glieder, alle Gedanken, alle Organe überfließen möge. Eine Seele gibt nie auf, sie lebt ewig…

    Danke fürs Nachdenken dazu.
    Danke für deine Gedanken und Wünsche, als ich nicht da war. Du bist einfach meine Beste!

    Herzlichst, Edith

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    1. Ah, wie schön, da ist sie wieder! Wie freut mich das! In Zeiten des großen C’s wandelt der Verstand jedes Fehlen und jede Auszeit in ein besorgtes Horrorszenario. Sie wird doch nicht … ? Nein, ist sie nicht, und das macht mich sehr sehr froh.
      Man lernt, wieder dankbar zu sein.
      Umarmung zu dir 🌹

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