Sie schlafen noch

Geh, Winter!
Der Schnee ist weg. Erster Rundgang im Garten. Viel gibt es zu sehen, auch das, was es noch nicht zu sehen gibt. Die Krokusse und Schneeglöckchen zum Beispiel. Oder der Giersch. Unsichtbar. Nichts. Sie schlafen alle noch. Nicht mal eine Andeutung.
Dafür aber Pfefferminze, die es überlebt hat, und erste Schnittlauchspitzchen. Wie wundervoll! Und die verdorrten und vergessenen Blumenzwiebeln vom letzten Jahr, die in einer Ecke in ihren schäbigem Plastiktöpfen ein erbarmungswürdiges Dasein führen. Sie stehen mit ihren Füßen im dicken Eis noch und treiben alle aus. Einige haben schon lange Triebe. Sie beschämen mich, diese verschmähten Pflänzchen. Und wie sehr!
Im Kräutertrog ernte ich Thymian und Rosmarin, die Melissen- und Pfefferminztriebe lasse ich stehen, obwohl mir das Wasser im Munde zusammenläuft, wenn ich an  Minztee aus frischen Kräutern denke. Welches Sehnen! Aber sie sollen sich erholen, die Pflänzlein, und weiter treiben. Ich werde sie hegen und pflegen und wie meinen Augapfel hüten. Und ich nehme mir vor, ihnen im Sommer, wenn sie in ihrer Fülle alles wieder zuwuchern werden, netter und duldsamer zu begegnen. Sie verdienen es.
Danke, dass ihr alle überlebt hat, ihr Lieben! Dankeschön. Ich werde euch nun wieder täglich besuchen, so wie es das Wetter zulässt. Bis morgen!

Mystisch geträumt …

…Als der Zug endlich über die Lagune fuhr, verspürte ich so etwas wie Faszination. Ich trat ans Fenster, blickte auf das Wasser, das unter der Nachmittagssonne geheimnisvoll funkelte, starrte auf die Dächer und goldenen Kuppeln der Stadt, die sich langsam aus dem Dunst schälten. Ein magisch betörendes Bild, das Venedig mir zur Begrüßung bot.
Mein Herz klopfte eigentümlich, während das Bootstaxi später durch den Canale Grande tuckerte. Um mich abzulenken, sah ich mir die bröckelnden Fassaden in blassen Rot-, Blau-, Gelb- und Weißtönen und die filigran verzierten Balkone der an mir vorbei gleitenden Palazzi an, lugte in kleine, versteckte Kanäle, die sich, von Bogenbrücken überspannt, in geheimnisvollem Dunkel verloren. Und überall, auf den Gassen und Brücken, entlang der Kanäle und in den Booten, sah ich sie, Gespenstern gleich: die Masken des Carnevale. Es waren unheimlich anmutende weiße Masken, deren Träger in tiefes Schwarz gehüllt waren, historische, graziöse, dämonische, bunte, lustige Gestalten und immer wieder die Figuren der Comedia dell Arte, der Alecchino, die Colombina und die Pulcinella. Einige standen da wie Denkmäler, andere liefen in buntem Treiben umher, gafften, rempelten, schrieen, lachten …
Es herrschte eine so mystische Atmosphäre, dass ich selbst nicht mehr wusste, ob es sich bei jenen Wesen um verkleidete Menschen handelte oder um Gespenster. Fast war ich mir sicher, dass ich einige von Venedigs echten Gespenstern für wirkliche Menschen hielt. Gespenster, die mir zunickten und deren Gruß ich erwiderte.

Fantasie

Du siehst Vögel nicht, die am Himmel stehn,
die träumend in die Wolken sehn?
Und Schmetterlingsküsse auf Apfelbäckchen
in quietschsommerbunten Spätwintereckchen
kann es nicht geben
im realklaren Leben … ?
Die Fantasie trägt eine Maske,
sie hält sich versteckt,
doch an so manch einem Tage,
hab ich sie entdeckt.
Und du?

Die leise Zeit

Nein, ich bin wahrlich kein Wintermensch. Dennoch, diese frostigen Tage genieße ich gerade. Sehr sogar. Sie bringen Stille. Sie bringen Ruhe. Die Unruhe der letzten Monate und Wochen lässt nun doch langsam nach und mir gelingt immer öfter, einfach einmal nichts zu tun. Auch nicht zu bloggen 😊
Es tut gut, am Fenster zu stehen und den wirbelnden Schneeflocken zuzusehen.
Es macht Spaß, dick eingemummelt durch den Winterwald zu stapfen und – pssst – der Stille, die gar keine Stille ist, zu lauschen.
Es ist interessant zu spüren, wie die Natur all den Stress und das Ungute im und beim „Menscheln“ deutlich macht und das Negative langsam für ein paar stille Momente verdrängt.
Ja, das tut gut.
Ich lerne und übe mich darin, mich auf mich zu besinnen, nach innen zu lauschen, die verlorene Mitte ein bisschen wieder zu finden.
Es ist ein einfaches SEIN, und dieses Spüren wieder zu spüren (was für ein Satz!), ist erholsam und gibt Kraft. Hoffe ich.

Kurzum: Ein selbst verordneter „Urlaub“ von all dem da draußen und ein erholsames, bewusstes „Wintern“ … mit leisen Tönen.
Ehrlich, DAS hatte ich seit Jahren nicht mehr.
Es hat gefehlt.
Und ich fange wieder zu schreiben, zu lesen. Nur das Klavier schweigt weiter und das ist richtig so. Ich habe es an Kinder in Dorf verliehen und das stimmt mich innerlich friedlich. Sehr.