Verwaist

Ach, liebes Blog, ich bin dir untreu derzeit mit meinem Schweigen. Entschuldige. Aber versteh: ich musste in den letzten Tagen eine so schwere Entscheidung fällen, die mein berufliches Leben ziemlich verändert hätte. Ins Positive … wahrscheinlich. Aber, liebes Blog, ich hätte mich selbst dabei ein Stück verloren und damit kam ich nicht klar. Heute Nacht habe ich die Absage zu diesem großartigen Angebot geschrieben und fühle mich freier, auch wenn ich nun nicht „berühmt“ werde. Aber was ist wichtiger, liebes Blog? Sag du es mir. Nein, ich weiß es selbst. Dennoch ist mir gerade ziemlich blümerant zumute. Entscheidungen wollen gut verdaut sein, ist es so?
Ach, was frage ich dich? Aber danke, dass du mir zugehört hast.
😊😉

Fiktion und Wahrheit

Was sind wir Menschen doch für seltsame Wesen! Wir wünschen und wünschen und wünschen uns oft Dinge, die unerreichbar und fern jeder denkbaren Realität sind, und dennoch wünschen wir sie uns. Wir träumen davon, sehnen uns danach, unbewusst, wohl wissend, dass der Traum ein Traum bleiben wird.
Dann passiert das Unerwartete. Der Traum will wahr werden. Oder auch nur ein Teil davon. Und? Freut man sich?
Zuerst ist man schockiert, ungläubig, aufgeregt. Das Herz schlägt schneller, gleichsam beginnt der Verstand, nach dem Haar in der Suppe zu suchen. Das kann doch nicht wahr sein, so etwas passiert nur den anderen, nein, nein, lass dich nicht verar…, pardon, täuschen. Bleib cool und vor allem: Freue dich nicht zu früh! Es ist bestimmt nur ein Irrtum, jawohl, das wird es sein und alles bleibt beim Alten und das ist gut so, oder? Und dann …
Die Maschine im Kopf arbeitet und arbeitet und zerbröselt den schönen Traum in viele kleine Einzelteile, bis eines gewiss ist: Es ist ein Irrtum. So etwas Unmögliches kann man doch gar nicht geträumt haben! Es ist nur ein Albtraum ist und dessen Realisierung würde all das Gewohnte und Liebgewonnene kaputt machen. Man kann nicht alles haben und …
Und der Traum hat den schönen Traum zerstört.
Erkennst du dich wieder?
Ich mich gerade sehr und langsam kann ich wieder lachen.

Frühlingsahnen

Unter Mandelbäumen
Düfte träumen.
In den wolkenblauen
Himmel schauen.
Zwischen sonnenwarmen
Blütenarmen
und auf Frühlingswiesen
stumm genießen.
Glück und selig schwärmen,
Seele wärmen …
Bunt im winterfahlen
Lichte malen.
Zeit zieht ihre Bahnen.
Frühlingsahnen.

Und nun ist er da!
Hallo Frühling! Wie schön du bist! ❤️

Sie schlafen noch

Geh, Winter!
Der Schnee ist weg. Erster Rundgang im Garten. Viel gibt es zu sehen, auch das, was es noch nicht zu sehen gibt. Die Krokusse und Schneeglöckchen zum Beispiel. Oder der Giersch. Unsichtbar. Nichts. Sie schlafen alle noch. Nicht mal eine Andeutung.
Dafür aber Pfefferminze, die es überlebt hat, und erste Schnittlauchspitzchen. Wie wundervoll! Und die verdorrten und vergessenen Blumenzwiebeln vom letzten Jahr, die in einer Ecke in ihren schäbigem Plastiktöpfen ein erbarmungswürdiges Dasein führen. Sie stehen mit ihren Füßen im dicken Eis noch und treiben alle aus. Einige haben schon lange Triebe. Sie beschämen mich, diese verschmähten Pflänzchen. Und wie sehr!
Im Kräutertrog ernte ich Thymian und Rosmarin, die Melissen- und Pfefferminztriebe lasse ich stehen, obwohl mir das Wasser im Munde zusammenläuft, wenn ich an  Minztee aus frischen Kräutern denke. Welches Sehnen! Aber sie sollen sich erholen, die Pflänzlein, und weiter treiben. Ich werde sie hegen und pflegen und wie meinen Augapfel hüten. Und ich nehme mir vor, ihnen im Sommer, wenn sie in ihrer Fülle alles wieder zuwuchern werden, netter und duldsamer zu begegnen. Sie verdienen es.
Danke, dass ihr alle überlebt hat, ihr Lieben! Dankeschön. Ich werde euch nun wieder täglich besuchen, so wie es das Wetter zulässt. Bis morgen!

Mystisch geträumt …

…Als der Zug endlich über die Lagune fuhr, verspürte ich so etwas wie Faszination. Ich trat ans Fenster, blickte auf das Wasser, das unter der Nachmittagssonne geheimnisvoll funkelte, starrte auf die Dächer und goldenen Kuppeln der Stadt, die sich langsam aus dem Dunst schälten. Ein magisch betörendes Bild, das Venedig mir zur Begrüßung bot.
Mein Herz klopfte eigentümlich, während das Bootstaxi später durch den Canale Grande tuckerte. Um mich abzulenken, sah ich mir die bröckelnden Fassaden in blassen Rot-, Blau-, Gelb- und Weißtönen und die filigran verzierten Balkone der an mir vorbei gleitenden Palazzi an, lugte in kleine, versteckte Kanäle, die sich, von Bogenbrücken überspannt, in geheimnisvollem Dunkel verloren. Und überall, auf den Gassen und Brücken, entlang der Kanäle und in den Booten, sah ich sie, Gespenstern gleich: die Masken des Carnevale. Es waren unheimlich anmutende weiße Masken, deren Träger in tiefes Schwarz gehüllt waren, historische, graziöse, dämonische, bunte, lustige Gestalten und immer wieder die Figuren der Comedia dell Arte, der Alecchino, die Colombina und die Pulcinella. Einige standen da wie Denkmäler, andere liefen in buntem Treiben umher, gafften, rempelten, schrieen, lachten …
Es herrschte eine so mystische Atmosphäre, dass ich selbst nicht mehr wusste, ob es sich bei jenen Wesen um verkleidete Menschen handelte oder um Gespenster. Fast war ich mir sicher, dass ich einige von Venedigs echten Gespenstern für wirkliche Menschen hielt. Gespenster, die mir zunickten und deren Gruß ich erwiderte.