Im Farbrausch … oder so

In der Verhaltensforschung nennt man es Übersprunghandlung und vielleicht ist das mit den Farben und mir so etwas Ähnliches. Ein Leben lang nämlich haben sie mich nicht interessiert. Ich habe sie eher so nebenbei wahrgenommen und irgendwie farblos war meine Sicht aufs Leben wohl auch. Das klingt hart im nachhinein, aber ich empfinde es so.
Mein „Farbrausch“ früher beschränkte sich auf blaue und weiße Blümchen im Garten, im Trögen und Töpfen am Fenster. Blau – weiß. Immer blau weiß (auch die Kleidung – blaue Jeans, weißes Shirt) und heute klingt das für mich irgendwie wie schwarzweiß und fast ein bisschen depressiv.
Rot hasste ich, Gelb auch, es sei denn, es war pastellgelb. Und Grün? Na ja, das war Natur halt.
Mein Verhältnis zu Farben hatte etwas Autistisches.
Ganz anders heute. Welche Farbe ist heute meine aller-allerliebste? Richtig. Rot. Und Gelb und Orange und türkisblau und und … und sie tun mir richtig gut, diese Farben. Ich weiß nicht, wie ich dieses erste Jahr ohne meinen Mann überstanden hätte ohne sie. Immer, wenn die Lustlosigkeit kommen wollte, habe ich angefangen, mich mit all den Farben, die ich in seinem Arbeitszimmer in einer Schublade gefunden hatte, auszutoben. Aber so richtig und ganz ohne Plan und mit dem Wissen, ich kann gar nicht malen. Und das versuche ich gerade zu ändern. Ich will es lernen und nie nie mehr ohne Farben leben.
Und wieder bin ich im Rausch. Im Mal-Lern-Rausch. Täglich sitze ich vor anderen Online-Workshops, Webinaren und Maltreffs und sauge diese neue Welt in mich auf und sie tut so gut.
Und du? Kennst du auch dieses Rauschgefühl? Trau dich! Male, auch wenn du gar nicht malen kannst. Egal. Es ist so egal. Die Freude im Tun, die ist es, die zählt.

(Judith, du fragtest mal nach Onlineangeboten. Soll ich hier mal eine Liste hier posten?)

* Das Bild im Header entstand in einer Twitterchallenge #KlasseKunst nach einer Vorlage von Maurice de Vlaminck (Der Künstler möge mir verzeihen😊)

Fantasie

Du siehst Vögel nicht, die am Himmel stehn,
die träumend in die Wolken sehn?
Und Schmetterlingsküsse auf Apfelbäckchen
in quietschsommerbunten Spätwintereckchen
kann es nicht geben
im realklaren Leben … ?
Die Fantasie trägt eine Maske,
sie hält sich versteckt,
doch an so manch einem Tage,
hab ich sie entdeckt.
Und du?

Vom Schreiben und Zeichnen und überhaupt

Ich habe so viele Bilder im Kopf, die ich zeichnen möchte … und kriege sie nicht auf Papier, jedenfalls nicht so, wie sie mein Kopf im Kopf malt.
Ich habe auch viele Wörter und Töne im Kopf und meine Finger schreiben mit ihnen die schönsten Geschichten, die die Herzen mir fremder Menschen berühren, sie tröstet, zum Lachen und Weinen bringt. Ich muss sie, die Finger, nur auf die Buchstaben der Tastatur legen, um die Worte zum Fließen und zum Formen meiner Geschichten zu bringen oder um klingende Töne auf die Tasten des Klaviers zu Liedern zu zaubern. Es ist, als wohnten sie in meinen Fingern, all die Worte und Töne.
Und doch sind es die ungemalten Bilder, die in meiner Seele weinen von Kindheit an, und ich fühle mich undankbar dabei.
Manchmal versuche ich, das Kind in mir die Geschichten, die im Kopf schlummern, zeichnen zu lassen. Dann ist meine kleine Welt in Ordnung.

Erwähnte ich schon, dass ich vor zwei Monaten endlich begonnen habe, das Zeichnen zu lernen? Es ist ein weiter Weg, der noch vor mir liegt, aber die Seele, sie lächelt dabei.