Januarkräuterliebe

Diese Liebe, mit der man ein Kräutlein oder ein paar verbliebene Blätter an Pflanzen streicheln kann!
Diese Andacht, die man dabei fühlt!
Die Freude, noch ein Kraut, das lebt, gefunden zu haben.
Die Ehrfurcht beim Konsumieren.
Die Liebe, die einen durchflutet.
Das sind die kleinen Gartenfreuden im Januar.
Und die Sehnsucht wächst.

Heute gefunden: Melisse, Thymian, Rosmarin, ein paar letzte Borretschblättchen und Petersilchen, Pfefferminzchen und Melissenblättchen und auf der Wiese Gänseblümchen, Löwenzahn, Vogelmiere und Franzosenkraut und ganz viel Pimpernelle. (Was bereitet man mit Pimpernelle zu? Und gibt es ein Gedicht, das dieses lebensfrohe Kraut besingt?)

Ein kurzer Moment

Der Himmel ist grau seit Tagen schon. Heute Morgen im Wald war er für ein paar Augenblicke gelb, bevor er wieder dem Winterdunkel nachgab. Eigenartig war dieser Moment. Eigenartig schön.
Die Luft schimmerte gelbbraun. Eine nichtwirkliche Farbe. Eine nichtwirkliche Atmosphäre.
Das Gehen ähnelte auf einmal einem Schweben. Surreal irgendwie. Nicht wirklich. Ich ertappte mich dabei, dass ich unterwegs zu singen begonnen hatte. Leise, zögernd noch. Und ich redete auch wieder und zwar nicht mehr mit dem Hund, der nicht mehr da war.
Das Gehen fühlte sich leichter an, die Schritte federten über den Waldboden, und ich spürte, wie die Anspannung der letzten Monate abnahm.
Es fühlte sich gut an. So gut!
Ich glaube, ich liebe ihn wieder, „meinen“ Wald.

Jetzt, ja, jetzt könnte man eigentlich damit beginnen, von einem neuen Hund zu träumen. Bald sind es zwei Jahre, dass ich ohne lebe existiere. So lang hat das Trauern noch nie gedauert.

 

 

Denk ich an Lavendel

… so denke ich an Blütenmeere, warme Winde, süße Düfte, Schmetterlingstänze und Bienengebrummsumme, Omas Wäscheschrank und Duftseifen, Honig und Vanille, Magie und die Musik der Zikaden … und den Zauber der Provence.
Denke ich an Lavendel, bin ich nicht mehr hier. Nein, meine Seele wandert auf fremden und doch so bekannten Pfaden im Anderswo.
Denke ich an Lavendel, fühle ich mich frei, fühle ich mich froh.
Schleicht sich der Duft des Lavendels in meine Nase, so bin ich –  für ein Weilchen zumindest – verloren.
Und du?

In einer Nacht im Regen

Ich hatte vergessen,
wie Regen duftet
beim Spaziergang um Mitternacht,
so unfassbar gut.

Ich vernahm lange nicht mehr,
wie Regentropfen
stetig klopfen aufs Schirmdach,
unserem Herzschlage gleich.

Ich erinnerte mich nicht mehr,
wie Füße klatschen
beim Gehen auf nassem Trottoir,
so tröstend vertraut.

Auch hatte ich vergessen,
wie er sich anfühlt,
der Sprung in die Pfütze mit Schwung,
und lauthals lachen dabei.

Nun weiß ich wieder,
bin angekommen bei mir
und bei dir hier im Jetzt
in einer Sommernacht im Regen.


Für den Moment nur

Dem Regen beim Regnen zusehen.
Nie hätte ich gedacht, dass mich ein Regentag im Juli so sehr freuen wird.
Und ich stehe im Garten, die Augen geschlossen, lausche den Blumen und Blättern beim Danke sagen, den Bäumen beim Durchatmen, den Gräsern beim leisen Wachsen und fühle mich – für den Moment nur – erleichtert.