Das wäre ja noch schöner!

Irgendwie waren die letzten Wochen etwas heftig, stressig. Ich spüre es in den Knochen, in Geist und Seele und ich lese es zwischen den Zeilen meiner Texte. Es wäre Zeit für eine Aus-Zeit.
„Ha!“, ruft der kleine Zeitgeist. „Das wäre ja noch schöner! Ausruhen? Wo kämen wir denn da hin?“
Ich sehe ihn vor mir. Ein kleiner, zorniger, sehr temperamentvoller Kerl mit einem Vollmondgesicht, das zur Zornesröte neigt.
„Ha!“ Er brüllt es fast, dieses „HA!“
Und ich? Ich muss trotz aller Müdigkeit grinsen.
Ich bücke mich zu ihm hinunter, fasse ihn bei den Ohren, die knallrot werden vor Zorn ob dieser Behandlung, hebe ihn hoch und setze ihn auf meine Schulter. Hier kann er weiter toben und von hier aus hat er auch den besseren Überblick.
Gemeinsam sehen wir – fast wie durch eine Wahrsagerkugel – in die nächste, nicht so ferne Ferne. Und nein, ich zähle nun nicht auf, was wir alles sehen. Es niederzuschreiben würde schon zu sehr anstrengen und für heute habe ich mir eine klitzekleine Stressfreiheit verordnet.
„Ha! Ja! Ha! Aber …“, brüllt er mir da schon wieder ins Ohr, der kleine Zeitgeist. Und er treibt mich weiter und weiter durch dieses aufregend traurige Jahr. Er ist neugierig, begierig, rastlos, ungeduldig … und die Seele, sie taumelt hinterher.

Gebrauchslyrik

„Darf es noch einmal bunt sein?“,
raunt leise er dir zu.
„Noch während du genießest,
begeb ich mich zur Ruh!“
Er sprach’s mit einem Leuchten.
„Adieu!“ Sein letztes Wort.
Er winkte noch zum Abschied,
und dann, dann war er fort.

Ich kann einfach nicht tragisch dichten, was zum November so gut passt. Auch nicht in wunderschön kunstvollen Wort- und Satzgebilden, die viele Fragezeichen offen lassen. Nein, bei mir endet es fast immer im Reim. Gebrauchslyrik nannte man es früher. Auch gut. Das Wort „Lyrik“ steckt wenigstens mit drin.

Leider kann ich derzeit nicht so oft hier in die Blogwelt schauen, Besuche abstatten, kommentieren. Das alljährliche vorweihnachtliche Chaos erwischt mich gerade wieder in meiner Berufswelt und ich verbringe viel Zeit damit, eMails zu beantworten und das tötet jede Kreativität und Schreiblust und überhaupt. Was tröstet ist die Gewissheit, dass der Spuk auch wieder vorübergeht. Mit Nikolaus ist es gewöhnlich vorbei, es sei denn, wir kriegen doch noch einen vollen Shutdown. Dann könnte es noch ein bisschen stressiger werden. Bitte nicht!

Den Blättern hinterher geträumt

Tagträume. Sie sind wieder da und ich nehme sie liebevoll in den Arm, liebkose sie, hege sie und gebe sie nicht mehr her. Wer nicht tagträumt, lebt nicht mehr (richtig), die Bilder im Kopf sind schwarz-weiß, die Seele schwächelt grau vor sich hin. Traumlos eben. Traumlos ist ziellos, ist freudlos. Getagträumtes macht das Leben bunter und so mancher Traum wandert mit in die Realität und machen das Leben bunter. Verrückter. Lebenswerter halt.
Träumend, die Waldruhe genießend, sehe ich heute den Blättern, die der Wind von den Bäumen zupft, hinterher – und ich begleite sie für eine Weile auf ihre fröhlichen Reise durch die Luft. Manche schaffen es im Aufwind weit nach oben in die Lüfte und verschwinden auf Nimmerwiedersehen im Irgendwo. Andere plumpsen nach einem kurzen Trudeln zu Boden, wo sie sich mit vielen gelb, rot, braunen Kollegen treffen und zu einer Abschiedsfete auf dem Boden zusammenrollen. Was sie sich wohl alles zu erzählen haben?
Der Versuch, mich ganz klein zu machen und für ein Weilchen mit ihnen zu feiern und Spaß zu haben, scheitert. In der Wirklichkeit. Nicht aber im Traum.

Und dieser Ausflug ins Träumen muss heute sein. Eine kleine Flucht vor den Nachrichten und den Realitäten, die so schräg wieder anmuten, dass man meinen könnte, man befände sich in einem skurrilen dystopischen Roman, einem heiter bitteren Narrenspiel. Mehr sag ich heute nicht zur aktuellen Lage. Es reicht, dass mein Kopf meint, gleich überlaufen zu müssen. Schnell zurück zu den Träumen.

Ich gebe auf …

Ich gebe auf. Den Computer fahre ich herunter, die Arbeitsbücher neben mir schließe ich, nein, ich knalle sie zu, um ehrlich zu sein. Sie nerven mich heute. Ebenso wie die Musik, die mich immer beim Arbeiten begleitet (Verzeih, JJG!), und der innere Kritiker, der zum Durchhalten mahnt. Selbst der Kaffee schmeckt bitter. Aber ehrlich, irgendwann ist Schluss! Der Kopf raucht und die Seele weint und bibbert und bangt und hofft. Alles auf einmal. Und ich glaube, ich bin damit nicht alleine heute.
Wovon ich rede? Na, worüber alle heute reden und irgendwie auch grübeln: Wien, US-Wahlen und unser Dauerbrenner Corona, um die drei schaurigsten Ereignisse/Zustände zu nennen. Die drei genügen auch für heute. Sie sind alle drei entscheidend für unsere Zukunft bei wenig erfreulichen Prognosen. Und man sitzt da und harrt auf neues Unheil, nicht glaubend, dass es sich irgendwo irgendwie zum Guten wendet. Die furchtsame Seele sieht nur schwarz heute. WIE BITTE SOLL MAN DA KREATIV ARBEITEN und schöne Texte schreiben? Bitte wie?
Eben. Eine Antwort weiß keiner.
Ich werde jetzt noch eine Runde Sport machen. Online bei meinem allerliebsten Sportstudio*, das mir meine Rückenschmerzen weggezaubert hat und das gerade von der Schließung betroffen ist und dennoch online tapfer weitermacht. Und dann, dann werde ich mich mit Rotwein und Käsebrot aufs Sofa fläzen und den Fernseher einschalten. Den ganzen Abend Glotze satt. Das hatte ich schon lange nicht mehr und heute ist es wohl nötig.
Bloß nicht denken dabei. Nichts denken. Nichts.  Nur angenehme Leere.
Vielleicht schaue ich auch bei Twitter vorbei. Man muss ja auf dem Laufenden bleiben. Und der Kreislauf beginnt von vorne…

 

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Aus dem Vollen geschöpft

„Einmal aus dem Vollen schöpfen!“
Das stand einmal auf einem Kalenderbild. Es zeigte eine alte Bauersfrau, die gebückt auf einer Streuobstwiese stand inmitten Unmengen glänzend roter und gelber Äpfel und diese in Körbe sammelte und sammelte und … eben aus dem Vollen schöpfte.
Auf den Wiesen und Feldern ringsum stehen auch Apfelbäume, die kaum einer beachtet. Dort kann man auch jetzt noch immer aus dem Vollen schöpfen. Zu ihren Füßen liegen gefühlt Tausende kleiner und nicht ganz so kleiner köstlicher herb sauer-süßen Äpfeln. Äpfel, die keiner eines Blickes würdigt, von den Wald-und Feldtieren abgesehen. Äpfel, die als Gelee oder Kompott und vor allem als Mus (mit Kartoffelpuffern! Kindheitsnostalgie!!!) wunderherrlich würzig schmecken.
Wie jedes Jahr fülle ich die Taschen meiner Jeansjacke bei jedem Spaziergang, was natürlich alles andere als „aus dem Vollen geschöpft“ ist, aber für ein Kompott reicht die Ausbeute. Ich denke, die Waldtiere werden mir diesen „Raub“ gönnen. Oder?
Doch … Herbst ist toll !!!