Das stumme Wort

Auf einer Wolke
schwebt leise das Wort,
das niemals gesagte,
für immer nun fort.

Und dieses Wort, es
zieht weit übers Land,
von allen gesehen
und doch nicht erkannt.

Wohin mag es treiben
im Tanz mit dem Wind?
„Halt! Ich will dich schreiben!“,
ruft leise ein Kind.

Es hat es gesehen
im Traume so nah.
Da war das vermisste
Wort ganz plötzlich da.

Es wollt nach ihm greifen.
Das Wort blieb ihm fern.
Doch hielt in den Händen
das Kind einen Stern.

Das Wort, es raunt leise:
„Ich kehre zurück
zu anderen Zeiten,
den Zeiten von Glück.“

Ich bin leider derzeit auch etwas stumm. Es liegt zu viel Arbeit auf meinem Schreibtisch wie immer in dieser Zeit. Auf bald wieder! Habt eine schöne Zeit! 💛

Novemberlicht

Novemberlicht.
Dein Schein von scheidenden Blättern geschmückt,
als suchten sie bei dir Halt.
Längst weiter gewandert ist ihre Zeit,
das Jahr, das matte, ist alt.
Novemberlicht.
Du schickst dein Lächeln hinaus in die Nacht.
Ein leises Seufzen verhallt.
„Psst!“, flüsterst du und nimmst meine Hand.
Das Dunkel ist nicht mehr kalt.

Gebrauchslyrik

„Darf es noch einmal bunt sein?“,
raunt leise er dir zu.
„Noch während du genießest,
begeb ich mich zur Ruh!“
Er sprach’s mit einem Leuchten.
„Adieu!“ Sein letztes Wort.
Er winkte noch zum Abschied,
und dann, dann war er fort.

Ich kann einfach nicht tragisch dichten, was zum November so gut passt. Auch nicht in wunderschön kunstvollen Wort- und Satzgebilden, die viele Fragezeichen offen lassen. Nein, bei mir endet es fast immer im Reim. Gebrauchslyrik nannte man es früher. Auch gut. Das Wort „Lyrik“ steckt wenigstens mit drin.

Leider kann ich derzeit nicht so oft hier in die Blogwelt schauen, Besuche abstatten, kommentieren. Das alljährliche vorweihnachtliche Chaos erwischt mich gerade wieder in meiner Berufswelt und ich verbringe viel Zeit damit, eMails zu beantworten und das tötet jede Kreativität und Schreiblust und überhaupt. Was tröstet ist die Gewissheit, dass der Spuk auch wieder vorübergeht. Mit Nikolaus ist es gewöhnlich vorbei, es sei denn, wir kriegen doch noch einen vollen Shutdown. Dann könnte es noch ein bisschen stressiger werden. Bitte nicht!

Nichts wie es scheint

Die Stunde, von der Zeit geschenkt, atmet die Sekunden im Licht des Herbstmorgens. Der Regen der letzten Tage hat die meisten Blätter von den Bäumen gefegt. Wie Goldmünzen sind sie vom Himmel gefallen und schmücken nun den Waldboden mit einem bunten Teppich. Ein nicht enden wollender Goldregen. Blätter, deren Farben der Zeit hinterher laufen. Von Stunde zu Stunde mehr hauchen sie ihr Lächeln aus. Braune Ränder des Vergänglichen lassen ihren Teppich alt, verschlissen erscheinen. Ein einst bunter Teppich der Vergänglichkeit.
Noch senden die Scheidenden ihre Düfte in das Land. Warme, weiche Düfte nach Honig, Karamell, Vanille, Steinpilzen, Waldmoos und Traubenmost. Sie locken, lassen das Sterben süß erscheinen. Süß, duftig, weich – alles in einem.
Ein Schnuppern. Es ist warm geworden. Auch sie lockt, diese Wärme.
Ich schließe die Augen, lasse mich von ihr tragen in den Sommer zurück. Es ist ein zartes, liebevolles Tragen. Ein verführerisches.
Es währt nur kurz. Wolken huschen über das schmeichelnden Strahlen der Sonne hinweg. Sie tauchen das Tal vor mir in einen herbstlichen Schatten. Ein trügerischer Tag. Nicht Sommer, nicht Herbst, nicht Winter.
„Halte dich warm!“, raunt mir eine Stimme zu. „Es ist nicht, wie es scheint.“
„Wahrlich!“, seufze ich. „Nichts ist mehr wie es scheint. Die Fassaden werden löchrig und nichts wird mehr sein, wie es einmal war. Gar nichts.“
Die Träne, die ich nicht zurückhalten kann, tropft zu Boden. Sie landet auf einem rostbraunen Buchenblatt und überzieht es mit einem unwirklichen Glanz, der dem Ende ein auftrumpfendes Leuchten schenkt.