Zwischenzeit(en)

Sitze sinnend,
Fäden spinnend,
die sich binden,
die sich trennen,
sich verknoten,
sich erkennen.
Trödle lustvoll
vor mich hin.
Sommerzeit.
Im Licht. Ich bin
umgarnt, betört
von der Natur.
Verzauberung.
Die andre Welt.
Lust am Leben pur.


Hitzefreie Leere

„Hey du! Mach mal zu! Ich fühle mich so leer an“, flüstert es.
Es ist das leere Blatt, das vor mir auf dem Schreibtisch liegt und auf Futter wartet. Tintenfutter. Buchstaben. Worte. Sätze. Es beschwert sich, fühlt sich vernachlässigt heute, unbeachtet, vergessen.
„Leer sein ist wie nackt sein“, mault es.

„Fast nackt“, sage ich und male eine Sonne auf das Blatt. Eine große Sonne mit einem lachenden Mund und fröhlich blinkenden Augen. Eine Sonne, wie Kinder sie malen. Eine Kindersonne.
„Zufrieden?“, frage ich das Blatt.
„Nicht wirklich“, beschwert es sich. „Die Worte. Sie fehlen mir.“
„Mir auch. Mein Kopf fühlt sich nämlich heute auch etwas leer an.“
„Du hast deine Worte verloren?“ Das Blatt ist entsetzt.

Ich lache. „Oh nein. Ausgeliehen habe ich sie heute. Sie haben … hitzefrei.“
Ich deute auf die Sonne, falte das Blatt zu einem Flieger und schicke es mit all den ungeschriebenen Worten in den Tag hinaus, der flirrenden Sonne entgegen.
Sonnentag war heute und einen Sonnentag wünsche ich mir auch für morgen und übermorgen und überübermorgen, gerne den ganzen Sommer lang. 
Ich folge dem leeren Blatt, fliege ihm hinterher und mein Kopf fühlt sich – wie verzaubert nun – auf angenehme Weise leicht an. Und leer.

Apriltag mit Wetter

Heute fällt es schwer, das Arbeiten. Nein, das Konzentrieren.
Ich gebe auf, trete ans Fenster und starre in den Regentag hinaus.
„Regen! Was für ein Segen für die Natur“, male ich mir das nasse Grau schön.
„Es ist dieses vermaledeite Wetter“, ruft mir die Nachbarin, die gähnend auf ihrer Terrasse steht, mit einem Seufzer zu. „Einmal Regen, einmal Schnee, dann sticht die Sonne vom Himmel und wieder regnet es. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Aprilwetter halt. Es nervt!“
Aprilwetter? Ich blicke zum Himmel hinauf. Stimmt! Es regnet heute. Am Wochenende hatte es sogar geschneit und wir froren. Aber sonst? Sie sind normal gewesen, die Tage. Grau. Langweilig. Müde. Und draußen weint der Kirschbaum leise Tränen. Regentränen. Er hat aufgegeben, auf Bienen zu warten und wirft seine prächtige Pracht Blütenblatt nach Blütenblatt zu Boden, wo es sich in Nichts auflöst.
Nichts. Ein Nichtstag.
„Es soll aber wärmer werden!“, hallt es vom Nachbarhaus herüber. „Dieses Auf und Ab macht halt müde.“
Sie gähnt wieder und ich schließe mich ihr an.
Das Wetter also! Mein wettersensibles Seelchen streichelt mich und schnurrt mir leise zu:
„Gräme dich nicht, wenn du mit der Arbeit schwer vorankommst. Es ist nicht deine Schuld.“
Nein, es ist nicht meine Schuld. Außerdem feiere ich gerade ein Sabbatjahr. Gerade noch rechtzeitig fällt es mir ein und ich atme auf. Ich muss ja gar nicht arbeiten. Im Gegenteil. Ich soll es genießen, dieses Nichtmüssen und dieses Nichtstun. Für diese Sabbatzeit habe ich mich nach langem Ringen entschieden und ich sollte dieses freie Jahr nun auch feiern.
Aber dieses Nichtstun nervt und irgendwie stresst es mich mehr als jede Arbeit. Besonders an Regenwettertagen, die mich ins Haus verbannen.
Verbannen? Aber hallo!
Ich winke der Nachbarin zu, schließe das Fenster und ziehe mir regentaugliche Kleidung an, schnappe meine Kamera, rufe nach dem Hund, der nicht mehr da ist, und trotte alleine los in den Wald. Denn mal ehrlich: Sind Regenwettermotive nicht die schönsten? Feiern wir sie!

Vergissmeinnicht im Regen