Das Licht kehrt zurück

Frühlingswald.
Das Licht kehrt zurück. Zögerlich.
Silbern die Luft, flirrend, mystisch.
Die Elfen schlummern noch.
Sie frösteln.
Halt! Eine hat leise gekichert, eben. Ganz genau habe ich es gehört.
Pssst!
Und das Schweigen ringsum hört sich immer lauter an.
Und gerade habe ich die ersten Veilchen entdeckt.
Es geht los!

Gerade im Wald

Lausig kalt war es heute Morgen und mehr als dreißig Minuten habe ich es beim täglichen Waldgang nicht ausgehalten. Ganz sacht schlichen sich ein paar wenige Schneeflocken vom Nebelwolkenhimmel und das sah sehr stimmungsvoll aus. Dennoch war  etwas ganz anders als es in den letzten Waldwintertagen gewesen ist. Vögel. Überall traf ich Vögel, und die waren im sonst so stillen Winterwald heute gar nicht still. Die Bussardfamilie, die seit Jahrzehnten schon ihren Horst oben im Berg hat, schwebte – erregt irgendwie – mit lauter Unterhaltung (es klingt wie Möwen am Meer) über die Bäume und übers Tal. Raben – oder Krähen? – krächzten und dazu, das war das Wundervolle, kleine Vögel tschilpten und zwitscherten und sangen so fröhlich, als hätte sich für heute noch der Frühling angekündigt. Leider kenne ich mich mit Vogelarten wenig aus. Meisen waren es auf jeden Fall, Finken und sogar der Regenpfeifer erzählte mir, dass es heute wohl Regen – naja, Schnee eher – geben würde. Bis nach Hause haben sie mich singend und tschilpend begleitet. Wäre es nicht so verdammt kalt gewesen, ich hätte geschworen, es sei März.
Wundervolle Momente waren es und wundersam zugleich – und nun überlege ich, was mir die Vögel wohl erzählen wollten? Hat die Kältezeit ein Ende? Für die Waldtiere sicher ein Segen. Doch insgeheim wünsche ich mir doch, dass diese schneefröhliche Winterphase noch ein Weilchen andauern möge. Und auch wieder nicht. Man weiß ja gerade nicht mehr, was man sich wünschen soll und was lieber nicht.

Nebelgeister

Ganz alleine bin ich heute im  Nebel unterwegs. Sie gehört ganz mir, diese helle Nebelwelt, die eine freundliche, stille Welt ist.
Langsam, andächtig fast, schlendere ich durch die Wolken. Nebelgeister mit ausladend weiten grauen Armen, die an Nichtnebeltagen nichts weiter als Bäume sind, begleiten mich auf meinem Weg. Manche nicken mir zu und werfen mir ein paar letzte braune oder gelbe Blätter , die langsam durch die Nebelluft trudeln und mit einem sanften Knistern zu Boden fallen, zu.
Auf einem dieser Nebelgeister sitzen zwei Raben. Sie krächzen mir ihr Nebellied zu. Krah! Krah!
Ich winke ihnen und folge dem Weg weiter bergan in die Weite des Nebelwaldes. Noch lange begleitet mich das „Krah! Krah!“ der Raben. Dann ist es wieder still.
Eine Stille, die gut tut. Ich bleibe stehen, blicke mich um. Man kann sie sehen, die Stille. Wohl und geborgen unter dem Schleier der Stille.
Tief atme ich ein. Es duftet nach November, Blättern und feuchter Erde, nach Tannenzapfen, Harz und ein bisschen auch nach Zuckerwatte und Zimt.
Hmmm …
Ich genieße diese Stille und diesen Duft noch ein Weilchen.
Dann verabschiede ich mich von der stillen Welt des Nebelwaldes. Mehr Romantik trage ich für diesen Tag nicht in mir.

Mein Herz blutet

Der Weihnachtsbaumexpress rollt wieder durchs Dorf.
Weihnachtsbäume, prächtige, große, sehr große, und dann wieder viele kleine werden auf Tiefladern aus dem Wald gekarrt. Bäume für Markt- und Kirchplätze, für Tineff, Weihnachtstände und Wohnzimmerecken.
Eine Ladung nach der anderen. Den ganzen November durch.
Ein langes Leben beendet für ein paar kurze Fest- und Feiermomente im Lichterglanz. Ein vergeudetes Baumleben.
Ich schlucke jedes Jahr aufs Neue, wenn ich sie sehe. Um jeden Baum tut es mir in der Seele weh. Umso mehr in dem Wissen, dass wir jeden Baum, der lebt und atmet, brauchen für unsere Umwelt, unser Leben.
Ist es das wert, liebe Weihnachtsindustrie? Ist das heutzutage noch richtig? Habt ihr mal darüber nachgedacht? Brauchen wir Bäume, um unsere Zimmer festlich zu schmücken, um sie später mit Karacho mit rieselnden Nadeln aus dem Fenster zu werfen, den „Knut“ mit ihnen zu spielen?
Was für ein trauriges Tannendasein! Oh Tannenbaum, wie schnöd‘ musst du doch sterben.
Und wieder einer, ein doppelter Tieflader sogar, mit hohen, sehr hohen Fichten dieses Mal.
Mein Herz blutet.

Wider das Laute

Es ist einer jener sanften, stillen, verträumten Tage im Wald. Ruhig stehe ich oben am Berg bei der großen Buche und lasse die letzten Tage Revue passieren. Viel zu viel von dem da Außen, mit dem ich eigentlich nichts mehr zu tun haben will, hat sich für eine kurze Zeit in mein Leben zurückgedrängt. Es hat mir nicht gut getan und es hilft mir auch nicht weiter in meinem kleinen, zurückgezogenen Leben. Im Gegenteil. Dieses Laute, Erregte, Exzessive zerstört das, was ich meine stille Kreativität, in der ich noch Kind sein darf, nenne. Es soll wieder verschwinden, ich will es nicht mehr sehen, nicht mehr hören.
Ich blicke in die weite Krone des Baumes und sauge die Stimmung und Farben dieses Novembertages voller Gier  in mich auf. Möge die Erinnerung an diese farbenfrohe Zeit mit ihren warmen Sonnentagen und kalten Nächten nicht so schnell verblassen.
Ich liebe Spaziergänge im Wald in dieser Jahreszeit. Sie rücken den Kopf zurecht und machen die Seele wieder heil. Die rauchige Luft, die überwältigenden Farben der Blätter, das Knirschen der Blätter unter den Füßen, das Glühen meiner Wangen im frischen Wind, die Vorfreude auf  Kaffee und Apfelkuchen, die mich zuhause erwarten. Das sind wichtige Dinge im Leben, die in Erinnerung bleiben, und das ist gut so.