Ein kurzer Moment

Der Himmel ist grau seit Tagen schon. Heute Morgen im Wald war er für ein paar Augenblicke gelb, bevor er wieder dem Winterdunkel nachgab. Eigenartig war dieser Moment. Eigenartig schön.
Die Luft schimmerte gelbbraun. Eine nichtwirkliche Farbe. Eine nichtwirkliche Atmosphäre.
Das Gehen ähnelte auf einmal einem Schweben. Surreal irgendwie. Nicht wirklich. Ich ertappte mich dabei, dass ich unterwegs zu singen begonnen hatte. Leise, zögernd noch. Und ich redete auch wieder und zwar nicht mehr mit dem Hund, der nicht mehr da war.
Das Gehen fühlte sich leichter an, die Schritte federten über den Waldboden, und ich spürte, wie die Anspannung der letzten Monate abnahm.
Es fühlte sich gut an. So gut!
Ich glaube, ich liebe ihn wieder, „meinen“ Wald.

Jetzt, ja, jetzt könnte man eigentlich damit beginnen, von einem neuen Hund zu träumen. Bald sind es zwei Jahre, dass ich ohne lebe existiere. So lang hat das Trauern noch nie gedauert.

 

 

Das Drängeln im Kopf

Diese unstillbare Sehnsucht, etwas (für mich) Großartiges zu erschaffen/schreiben. Immer und immer wieder nagt sie an mir und ich weiß genau: Ich müsste mich nur vor eine leere Datei setzen, die Finger auf die Tasten legen und schreiben. Ich weiß, es würde dann aus mir schreiben. Wort für Wort für Wort zu Geschichten, Texten, Naturbeschreibungen und, ja, vielleicht auch zu etwas Großartigem. Wort für Wort für Wort.
Doch warum fühlen sich meine Finger so wortlos? Warum locken sie nicht, warum schreien sie nicht danach, auf eine Tastatur gelegt zu werden, um all die ungesagten, die geträumten, erhofften, gewünschten, ersehnten Worte niederzuschreiben? Warum schreien sie nicht nach einer Tastatur und nach einem leeren Blatt?
Ist es, weil der Kopf es nicht zulassen will? Dieser sture, störrische Kopf, der wie bei einer Müllhalde die Worte auf vielen unaufgeräumten Wortmüllhalden stapelt und nicht bereit ist zum Entrümpeln und Aufräumen und … Freigeben?
Ist es das?
Wird wohl so sein.
Und was tue ich nun?
Vor Sehnsucht ersticken mit all dem ungefilterten Wortmüll im Kopf?

Etwas Neues möchte ich schaffen. Etwas … Neues …
Und bitte, nicht vergessen, lieber Kopf, der du so sehr grübelst und mit allen inneren Schweinehunden zusammen klüngelst: Wir könnten es uns leisten, etwas Neues zu schaffen. Denn das Alte ist nicht mehr neu genug.
Was zögerst du noch, du Zweifelbirne?

Freudenfünkchen

Ich atme ein und aus. Ganz ruhig ein und aus und ein und aus und … Und es funktioniert. Trotz alledem oder gerade erst recht.
Ein und aus und ein und aus …
So war es im Zurück und so wird es auch im Voraus, im Kommenden, funktionieren.
Atmen. Ruhig. Ein und aus.
Und ab und zu schummelt sich ein Freudenfünkchen unsichtbar in die Luft und man atmet es mit ein. Wobei: Zum Freudenfünkchen wird es erst, wenn man es als solches zu erkennen vermag. Andernfalls verkümmert es.

Freudenfünkchen. Ich möchte sie erkennen und schätzen und lieben lernen.
Es können so viele sein jeden Tag.
Und nein, dies soll kein Vorsatz fürs neue Jahr sein. Eher ein Umdenken, ein Routenplan für die Zukunft, Umleitungen und Sackgassen inklusive.

Ich atme ein und aus. Ganz ruhig ein und aus und ein und aus und … … und werde es zu lernen versuchen, achtsamer mit meinen Freudenfünkchen umzugehen.

„Freue dich deines Atems“
Teebeutelspruch

Lassen wir sie einfach einmal so im Raume stehen!

Trotz alledem

Noch nie habe ich einen Rückblick zum Ende eines Jahres geschrieben.
Heute habe ich lange darüber nachgedacht, meine Gedanken zum Jahr auch einmal festzuhalten, sei es für mich alleine oder vielleicht sogar hier im Blog.
Es blieb beim Nachdenken, obgleich ich vieles zu diesem Jahr 2019 schreiben könnte.
Könnte das Jahr sprechen, würde es mir vielleicht erzählen, wie schwierig es ist, alle Wünsche und Ansprüche, die man zu Beginn eines neuen Jahres hat, zu erfüllen. Es hat recht. Und daher möge es nun ruhen, das Jahr. Es hat diese Ruhe verdient. Ich werfe ihm ein fröhliches Dankeschön zu. Ein Dankeschön, dass es mich (über)leben ließ. Dass es mir auch an grauen Tagen viele kleine und große und leise Glücksmomente schenkte, und dies jeden Tag aufs Neue.
Danke, Jahr! Trotz alledem.

Wenn Sterne tanzen

Am Kirchplatz vor der hohen Weihnachtstanne machte sie Halt. Das Licht ihrer Kerzen tanzte im Schein der Nebelschwaden Irrlichtern gleich durch den frühen Abend und es verlieh dem Dunkel eine fast mythisch anmutende Unwirklichkeit, die fast als schön zu bezeichnen war. Von der Kirche her erklang Orgelmusik. Nicht feierlich, wie sie es aus früheren Kirchgängen her kannte. Es war ein heiter leichtes Lied, das dem schweren Nebel eine lange Nase zu zeigen versuchte.
Das Spiel von Musik, Licht und Nebel hielt die Frau fest. Die Unwirklichkeit der Szenerie ließ sie ihren Kummer vergessen. Wie gebannt starrte sie auf die Lichter der Tanne. Für einen Moment wich der Nebel und ein Lichtblitz huschte über den kleinen Platz. Ein Lichtblitz? Oder war es ein Stern gewesen?
Die Frau konnte nicht länger ernst bleiben. Und plötzlich war alles anders. Wer Sterne über Plätze tanzen sah, vermochte auch Einhörner zu sehen, Feen, Zauberer und Engel. So einfach war das.
So einfach?
Nun lachte die Frau. Es war, als wäre die Schaltuhr des Lebens wieder zurückgestellt auf Null. Auf einen neuen Anfang.
FROHE WEIHNACHT! 🎄