Vom Plappern und Zuhören und Erinnern

Oben auf der Wiese am Waldrand das Kind, das dem Opa beim Holzaufschichten hilft und unentwegt plappert. Seine Stimme hallt zu mir herunter und ich lausche. Nicht alles kann ich verstehen, was das kleine Mädchen dem Großvater erzählt. Doch es sind wichtige Dinge, die es zu berichten hat. So wichtig, dass sein kleines Plappermäulchen keinen Moment still steht. Und der alte Mann, der schichtet in stoischer Ruhe Holzscheit für Holzscheit zu einer akkurat stehenden Brennholzwand unter den Bäumen am Rand der Wiese. Ob er dem kleinen Mädchen zuhört? Oder lässt er es einfach plappern und denkt an ganz andere Dinge, die nichts mit Schulabenteuern, Elternweisheiten und der neuen Freundin, die so komisch und trotzdem nett ist, zu tun haben?
Und ich höre ein anderes Mädchen auf seinen Opa einplappern. Unterwegs auf den täglichen Nachmittagsspaziergängen durch das Städtchen, über Feldwege und Weinbergpfade, die der großväterlichen Gesundheit dienen sollten und die doch stets ungesund im Café oder im Hotel der Königsvilla, in Weinlokalen der Nachbardörfer bei einem Viertel Weißen und einem Traubensaft mit Käsekuchen endeten.
Was der Großvater damals wohl von den Kleinmädchenerzählungen vernommen und aufgenommen hatte? Hatte er zugehört, während er seine Füße Schritt für Schritt dem lohnenden Ziel, den Viertele Wein, zulenkte und hin und wieder „Hm! Hm!“ oder ein „Vorwärts! Weiter!“ oder ein „Nicht stehenbleiben!“ brummte?
Wahrscheinlich genau so wenig wie der Großvater drüben auf der Wiese, der noch immer Holz nach Holz nach Holz stapelt und sicher auch ab und zu dem Kind ein „Hm! Hm!“ zur Antwort gibt.
Und es ist okay so. Heute wie damals.
Es … ist … okay!
Und das kleine Mädchen dort wird es ebensowenig vergessen, wie das andere kleine Mädchen, das bald so alt ist wie einst der Großvater, es auch nie vergessen hat und mit einem Schmunzeln – und auch ein paar erstickten Tränen – an das Damals nun denkt.