Matschbirnenhirne

Wie der Tag heute ist?
Schwül, nachvollmondig, nervig allen Ortes, unkonzentriert.
Es kommt der Augenblick, an dem eine Handvoll Schreiberlinge, die allesamt mit dösigen oder kopfschmerzigen Nasen vor den Bildschirmen sitzen und sich außerstande sehen, vernünftig und kreativ zu arbeiten, den ungeschriebenen Worten entflieht und sich auf die Suche nach Leidensgenossen macht.
Früher kam man an solchen Matschbirnehirntagen in Kaffeehäusern oder Bistros zusammen und tauschte sich bei einem Glas Rotwein – oder zwei oder drei -aus.
Heute trifft man sich in Blogs, Chats, bei Twitter, Facebook oder sonstwo auch, ohne tröstenden Roten, und obwohl ich persönlich liebend gerne die Kaffeehausvariante vorgezogen hätte, genieße ich doch sehr das Autorenkaffeehaus 2.0 bei einem kleinen Gespräch und Leidensgenossensplausch. Matschbirnenhirnig.
An einem unkreativen Tag wie diesem tut das richtig gut.
Man nennt es heutzutage auch Prokrastination.
Autorenleben 2.0.

 

 

Hitzefreie Leere

„Hey du! Mach mal zu! Ich fühle mich so leer an“, flüstert es.
Es ist das leere Blatt, das vor mir auf dem Schreibtisch liegt und auf Futter wartet. Tintenfutter. Buchstaben. Worte. Sätze. Es beschwert sich, fühlt sich vernachlässigt heute, unbeachtet, vergessen.
„Leer sein ist wie nackt sein“, mault es.

„Fast nackt“, sage ich und male eine Sonne auf das Blatt. Eine große Sonne mit einem lachenden Mund und fröhlich blinkenden Augen. Eine Sonne, wie Kinder sie malen. Eine Kindersonne.
„Zufrieden?“, frage ich das Blatt.
„Nicht wirklich“, beschwert es sich. „Die Worte. Sie fehlen mir.“
„Mir auch. Mein Kopf fühlt sich nämlich heute auch etwas leer an.“
„Du hast deine Worte verloren?“ Das Blatt ist entsetzt.

Ich lache. „Oh nein. Ausgeliehen habe ich sie heute. Sie haben … hitzefrei.“
Ich deute auf die Sonne, falte das Blatt zu einem Flieger und schicke es mit all den ungeschriebenen Worten in den Tag hinaus, der flirrenden Sonne entgegen.
Sonnentag war heute und einen Sonnentag wünsche ich mir auch für morgen und übermorgen und überübermorgen, gerne den ganzen Sommer lang. 
Ich folge dem leeren Blatt, fliege ihm hinterher und mein Kopf fühlt sich – wie verzaubert nun – auf angenehme Weise leicht an. Und leer.

Autorenleben surreal

Nachtarbeit. An einem Thema. Hineingebissen. Verbissen. Leicht verzweifelt und mutlos, weil der entscheidende Kick unauffindbar war, sehr spät den Tag beendet. Entschlossen, das Thema ad acta zu legen. Vergrabenes lässt sich zuweilen eben nicht mehr ausgraben, auch nicht mit der Akribie eines Archäologen. Leicht missmutig ob dieser Tatsache zu Bett gegangen. Geträumt. Einen mir unbekannten Namen geträumt. Eine Stimme, die mir zuraunte: Such das Buch jenes Autors! Aufgewacht und zu nachtschlafender Zeit die Suchmaschine im Rechner betreten. Fundstück: Der geträumte Name. Autor eines Buch zu meinem vergrabenen Thema. Lächelnd wieder zu Bett gegangen und heute Morgen ungläubig den Kopf geschüttelt. Nein, es war kein Traum. Er ist noch da, der Name und der Buchtitel. Surreal das Ganze, unheimlich fast – und nicht das erste Mal …
Wer sagt, dass das Autorenleben langweilig ist?


Täglicher Anblick