Frostig kühle Maimorgen-Waldherrlichkeit

Ein herrlicher Morgen war dies heute. Wettermäßig betrachtet. Ein wundervoller, wolkenfreier, kalter, ja, fast frostiger Maimorgen. Sehr früh bin ich aufgewacht. So gegen fünf. Die Vögel waren schon lange wach und sehr beschäftigt. Sie haben zauberhaft schön konzertiert, jubiliert, tiriliert. Ein faszinierender Vogelstimmenchor in Dur, trotz der Vielstimmigkeit in sich einig in ihrer Harmonik. Ein Hörgenuss!
Nichts hielt mich mehr im Bett.
Eine halbe Stunde später, es dämmerte schon, waren wir unterwegs. Langsam stiegen wir bergan in den Wald hinauf, lauschten den Vögeln, atmeten die von Tau durchtränkte,  sehr frische, ja, saukalte Luft ein, genossen den Duft des erwachenden Waldmorgens und beobachteten, wie sich das Licht von Minute zu Minute änderte. Der Tag drängte die Nacht Stück für Stück von der Bühne.
Blaue Stunde. Übergangszeit. Wir beobachteten und genossen.
Ab und an raschelte es im Unterholz. Die Waldtiere gingen schlafen. Rehe huschten zartgliedrig über den Weg und verschwanden im Unterholz. Der Bussard, der seit Jahren, ach was, seit Generationen wohl hier oben seinen Horst hat, begleitete uns eine Weile, dann schraubte er sich in den Himmel hinauf.
„Er macht sich auf, die Sonne zu begrüßen“, entfuhr es mir in meiner Begeisterung.
Mein Begleiter sah mich verständnislos, leicht missmutig an.
„Er ist hungrig und geht auf Futtersuche“, brummte er.
Dann schauten wir wieder nach Osten und bestaunten das Farbenspiel der erwachenden Sonne am Kamm der Hügelkuppen, dort, wo sich Himmel und Baumspitzen treffen. Die ersten Sonnenstrahlen blinkten auf. Zögernd noch tauchten sie die Bäume in zartes Rosa – oder war es Lila, Orange, Gelb? Von allem etwas. Ein Farbencocktail der Natur. Der Tag zog ins Land. Die Vögel verstummten, einer nach dem anderen.
Schön war es … so schön, dass ich vergaß, diese einzigartige Morgenwelt aus der Kameralinse zu beobachten und in Bildern festzuhalten
Das war gut so. Es gibt Momente, die sollte man sich im Kopf und im Herzen aufbewahren, damit man sich länger an sie erinnert.


Maiwald