Verwaist

Ach, liebes Blog, ich bin dir untreu derzeit mit meinem Schweigen. Entschuldige. Aber versteh: ich musste in den letzten Tagen eine so schwere Entscheidung fällen, die mein berufliches Leben ziemlich verändert hätte. Ins Positive … wahrscheinlich. Aber, liebes Blog, ich hätte mich selbst dabei ein Stück verloren und damit kam ich nicht klar. Heute Nacht habe ich die Absage zu diesem großartigen Angebot geschrieben und fühle mich freier, auch wenn ich nun nicht „berühmt“ werde. Aber was ist wichtiger, liebes Blog? Sag du es mir. Nein, ich weiß es selbst. Dennoch ist mir gerade ziemlich blümerant zumute. Entscheidungen wollen gut verdaut sein, ist es so?
Ach, was frage ich dich? Aber danke, dass du mir zugehört hast.
😊😉

Wintertraum

Du öffnest die Augen und siehst das weiße Weiß. Schnee! Ringsum nur Schnee und blauer Himmel. Die tief stehende Wintersonne lässt Schneeflockensternchen und Eiskristalle glitzern und funkeln. Sie verwandelt das Land in ein Zauberland.
Du staunst und spürst, wie die Freude dein Herz jenes Bisschen schneller schlagen lässt, das sich anfühlt wie das erste große Verliebtsein. Du genießt dieses Gefühl. Tief atmest du ein. Die frische, klare, frostige Schneeluft möchtest du einatmen. Das Prickeln der Kälte auf deinem Gesicht willst du spüren. Jenes eisig kalte Prickeln, das sich anfühlt, als pickten kleine Nadeln auf deinen Wangen. Und das Kribbeln an Füßen und Fingerspitzen. Du möchtest spüren, wie eine trockene Schneekälte langsam durch die dicke Wolle deiner Socken und Handschuhe kriecht und sich auf Zehen und Finger legt. Jenes ‚Winterkribbeln‘, bei dem du dich lebendig fühlst und das sich verstärkt, wenn du aus der Kälte ins warme Zimmer kommst.
Na, spürst du es?
Ich tue es gerade auch und ich kann dir sagen: Es ist saukalt und es sind „nur“ noch 48 Tage bis Frühlingsanfang.
Ich schließe die Augen und träume mich hinaus … auf eine Löwenzahnwiese. 💛🌼

Der Todo

„Keine Chance hat er heute bei mir, der Todo“, sage ich beim Frühstück und lächele. „Ich muss nur noch rasch dies und jenes und das erledigen, dann werde ich ihn für dieses Wochenende zum Teufel schicken.“
Ihn, den Todo.
Sage ich und erledige noch rasch dies und jenes und das und noch eins, zwei, drei, vier, fünf oder mehr Kleinigkeiten mehr.
„Nun geh, Todo!“, bitte ich ihn gegen Nachmittag. „Wir haben Wochenende und frei.“
„Frei?“, fragt er mich und schaut mich mit diesen strengen Blicken an, die sich wie juckende Pfeile in meinen Körper bohren.
Ich kratze mich dezent und suche nach einer Waffe, mit der ich ihn ähnlich wie mit einer Fliegenklatsche zum Schweigen bringen kann. Die Kuscheldecke tut es in dem Falle auch. Ich breite sie über Todo und seine Werkzeug-Utensilien und sage: „Ätsch!“
„Ätsch!“, hallt es unter der Decke hervor. Es hallt nur leise. 
Dann ist Ruhe und ich blicke fröhlich aus dem Fenster.
Die Sonne hat den Morgennebel vertrieben, der Himmel ist blau, die Bäume schimmern rot, gelb, golden braun. 
Welt, ich komme!
„Warum liegt die Decke über deinem Schreibtisch?“, fragt der Liebste in diesem Augenblick.
„Todo schläft“, antworte ich. „Er braucht eine Pause, der lästige Kerl.“
„Was für’n Kerl?“ Der Liebste sieht mich misstrauisch an, ballt unmerklich die Fäuste und blickt sich im Zimmer um. Einen fremden Kerl aber sieht er nicht. Kann er auch nicht. Den habe ich ja unter der Decke begraben.
In dem Augenblick bimmelt das Smartphone. Es liegt bei Todo unter der Decke.
Ich zögere, die Neugier siegt … und Todo ist wieder frei.
 Und wie frei er ist! Mit nichts mehr ist er zu bändigen und schon gar nicht will er sich noch einmal unter eine Decke oder sonst wohin verbannen lassen.
Geht auch nicht. Nach dem Telefonat nämlich sitze ich neben dem grinsenden Todo sinnend am Schreibtisch und schreibe eine neue Liste für die nächsten Tage. Überschrift: „To do“!
(Darunter, ganz klein: Vergiss nicht das Sabbatjahr!) 😉



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