Seelenmagersucht

„Wer nicht träumt, lebt nicht mehr“, sagt er und erklärt mir, wie wichtig Träume sind. Damit man überhaupt Freude empfinden könne. Vorfreude vor allem, die bekanntlich die schönste Freude sei und an die real erlebte Freude nicht heranzureichen vermöge. Und eben diese freudenmachende Vorfreude erlebe man nur in Träumen, besser gesagt in Tagträumereien. Das müsse ich doch wissen. Jedes Kind wisse das.
Nein, das weiß ich nicht und Tagträume, erkläre ich, verbäte ich mir schon seit vielen Jahren, denn sie führten zu nichts. Im Gegenteil. Sie brachten nur Enttäuschungen und trügen Albträume mit sich im Gepäck.
„Und deine Seele weint“, antwortet er darauf. Dann schweigt er.
Ich schweige auch und meine Seele weint auch wieder. Eigentlich weint sie immer, doch das sage ich nicht. Das muss keiner wissen.
„Ich habe es neulich im Mentaltraining gelernt“, sagt er nach einer langen Schweigepause. „Unsere Seele braucht Träume, um nicht zu verhungern. Sie braucht dieses Gefühl des Freuens, der Vorfreude.“
„Ich weiß“, flüstere ich. „Fast ist sie auch schon verhungert, meine Seele. Aber sie lässt einfach keine Nahrung mehr zu. Allein bei dem Gedanken daran wird ihr schon übel. Es ist wie bei einer Magersucht. Seelenmagersucht.“
„Und du weißt es?“
Ich nicke. „Seit eben, glaube ich.“
Dann schweigen wir wieder und ich träume von einer Zeit, in der das nicht so war … 

Den Blättern hinterher geträumt

Tagträume. Sie sind wieder da und ich nehme sie liebevoll in den Arm, liebkose sie, hege sie und gebe sie nicht mehr her. Wer nicht tagträumt, lebt nicht mehr (richtig), die Bilder im Kopf sind schwarz-weiß, die Seele schwächelt grau vor sich hin. Traumlos eben. Traumlos ist ziellos, ist freudlos. Getagträumtes macht das Leben bunter und so mancher Traum wandert mit in die Realität und machen das Leben bunter. Verrückter. Lebenswerter halt.
Träumend, die Waldruhe genießend, sehe ich heute den Blättern, die der Wind von den Bäumen zupft, hinterher – und ich begleite sie für eine Weile auf ihre fröhlichen Reise durch die Luft. Manche schaffen es im Aufwind weit nach oben in die Lüfte und verschwinden auf Nimmerwiedersehen im Irgendwo. Andere plumpsen nach einem kurzen Trudeln zu Boden, wo sie sich mit vielen gelb, rot, braunen Kollegen treffen und zu einer Abschiedsfete auf dem Boden zusammenrollen. Was sie sich wohl alles zu erzählen haben?
Der Versuch, mich ganz klein zu machen und für ein Weilchen mit ihnen zu feiern und Spaß zu haben, scheitert. In der Wirklichkeit. Nicht aber im Traum.

Und dieser Ausflug ins Träumen muss heute sein. Eine kleine Flucht vor den Nachrichten und den Realitäten, die so schräg wieder anmuten, dass man meinen könnte, man befände sich in einem skurrilen dystopischen Roman, einem heiter bitteren Narrenspiel. Mehr sag ich heute nicht zur aktuellen Lage. Es reicht, dass mein Kopf meint, gleich überlaufen zu müssen. Schnell zurück zu den Träumen.

Unterm Kirschbaum geträumt

Tagträume. Sie sind wieder da und ich nehme sie liebevoll in den Arm, liebkose sie, hege sie und gebe sie nicht mehr her. Wer nicht träumt, lebt nicht mehr (richtig). Die Bilder im Kopf sind schwarz-weiß, die Seele schwächelt grau vor sich hin. Traumlos eben. Traumlos ist ziellos, ist freudlos. Getagträumtes macht das Leben bunter und so mancher Traum wandert mit in die Realität. Es macht das Leben bunter. Und verrückter. Lebenswerter halt.

Träumend, die ländliche Feiertagsruhe genießend, blickte ich heute den Blütenblättern des Kirschbaumes, die der Wind von den Bäumen zupfte, hinterher – und ich begleitete sie für eine Weile auf ihrer kurzen Reise. Manche schafften es im Aufwind weit nach oben in die Lüfte und verschwanden auf Nimmerwiedersehen im Irgendwo, andere plumpsten nach einem kurzen Trudeln zu Boden, wo sie sich mit vielen Kollegen trafen und zu einer Abschiedsfete auf dem Boden zusammenrollten. Was sie sich wohl alles zu erzählen hatten?
Der Versuch, mich ganz klein zu machen und für ein Weilchen mit ihnen zu feiern und Spaß zu haben, scheiterte. In der Wirklichkeit. Nicht aber im Traum.

 

Kirschblüte